16. Apr 2004 12:13
Hat Chefredakteur Stefan Aust die Windenergie im «Spiegel» als betroffener Hobby-Pferdezüchter in eigener Sache kritisieren lassen? Eine Lokalzeitung machte sich in Lamstedt auf Spurensuche.
Es gibt eine «norddeutsche Kommune», in der Gemeinderäte 1996 «ohne jedes Unrechtsbewusstsein» einer Windpark GmbH Land geschenkt haben. Das war vorletzte Woche im «Spiegel» zu lesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb in Lamstedt: Gemeinderäte dürfen Gemeindeland nicht ohne weiteres unter Wert abgeben, zu welchem Zweck immer. Was nicht im «Spiegel» stand, berichtete jetzt die «Nordsee-Zeitung»: «Spiegel»-Chef Stefan Aust ist mit seinem privaten Gestüt Nachbar des Initiators der örtlichen Initiative gegen den Windpark, Heinz-Christian Gresens. Gresenes Rechtsbeistand ist der im «Spiegel» zitierte Anwalt Rüdiger Nebelsieck.
Austs Gestüt liegt nicht weit vom geplanten Lamstedter Windpark entfernt. Der «Spargel»-Gegner und Gutsbesitzer Gresens sagte der «Nordsee-Zeitung» über seinen «Nachbarn» Stefan Aust: «Uns verbindet die Pferdezucht.» Aber auch die Windräder dürften Gesprächsthema gewesen sein. In Bezug auf den Windpark habe er sich «höchstens mal Tipps von Stefan Aust geben lassen, wie man dagegen vorgehen könnte». Dass Aust Privatinteresse und die Berichterstattung im «Spiegel» miteinander verwoben habe, weist der Nachbar zurück. Gresens sagte der «Nordsee-Zeitung»: «Da gibt es keine Verflechtung.» Im «Spiegel» hatte das Windenergie-Thema vor kurzem zu einem Eklat geführt: Der langjährige Redakteur Harald Schumann kündigte, weil sein Artikel durch einen Anti-Windenergie-Beitrag ersetzt wurde.
Stefan Aust hat die in mehreren Medienberichten laut gewordene Unterstellung, er lasse deshalb gegen den Ökostrom anschreiben, weil er und seine Pferde die Windräder als Störung empfinden, bisher nicht kommentiert. (nz)