Eklat beim «Spiegel»: Redakteur
Schumann wehrt sich gegen Aust
05. Apr 2004 11:08
 | Harald Schumann | Foto: Sabine Sauer |
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Im Streit um den angeblichen Mangel an innerer Pressefreiheit beim «Spiegel» wehrt sich der Redakteur Harald Schumann gegen die Unterstellung von Chefredakteur Aust, er habe «Unsinn» über die Windkraft geschrieben, indem er den umstrittenen Artikel veröffentlicht. Die Netzeitung dokumentiert ihn.
«Spiegel»-Redakteur Harald Schumann möchte den «Vorwurf mangelnder Professionalität» seines Chefredakteurs Stefan Aust nicht auf sich sitzen lassen. Schumann hatte vergangene Woche nach einer redaktionsinternen Auseinandersetzung über den «Spiegel»-Aufmacher über die Windkraft seine Kündigung eingereicht.
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Er nannte den klar gegen die Öko-Energie tendierenden Artikel «Desinformation und Propaganda» und kündigte unter Protest. «Spiegel»-Mitarbeiter stellten die «innere Pressefreiheit» des Magazins in Frage, denn ein Artikel Schumanns mit einer anderen Tendenz hatte im Oktober 2003 nicht erscheinen können.
«Nicht die feine hanseatische Art»
Aust erklärte in der Netzeitung zur Windenergie-Debatte, dass interne Kontroversen beim «Spiegel» üblich seien und fuhr fort, dass es »natürlich grundsätzlich Aufgabe der Chefredaktion« sei, »unsinnige oder nicht der Realitätsprüfung standhaltende Geschichten nicht zu drucken - auch darin unterscheidet sich der 'Spiegel' nicht von anderen Redaktionen«. Schumann sagte der Netzeitung, dass dadurch der Eindruck entstanden sei, «mein Kollege Gerd Rosenkranz und ich hätten zu diesem Thema 'Unsinn' abgeliefert, 'der nicht der Realitätsprüfung' standhält». Das sei «nicht gerade die feine hanseatische Art», es entspreche «aber leider dem Niveau, mit dem beim 'Spiegel' zur Zeit politische Kontroversen ausgetragen werden».
Zu politisch
«Tatsächlich haben Gerd Rosenkranz und ich am 9. Oktober vergangenen Jahres einen nach bestem Wissen und Gewissen geschriebenen Report zum Thema Energiepolitik abgeliefert, einschließlich eines Supplements zur Frage 'Was kostet die Windkraft?'. Dieser Artikel wurde von der Chefredaktion mit der Erklärung abgelehnt, er sei 'zu politisch' und 'gut und böse' seien darin 'zu eindeutig' verteilt. Das klang zwar wie ein Scherz, war aber gleichzeitig das Ende der Debatte», so Schumann zur Netzeitung.Schumann hat den umstrittenen Artikel und den Infokasten daher zur Veröffentlichung freigegeben: «Die interessierten Leser und Kollegen können sich selbst ein Bild von der Qualität unserer Arbeit machen, wenn Ihnen die entsprechenden Texte zugänglich sind.» Die Netzeitung dokumentiert beide Texte ungekürzt und unverändert. (nz)
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