31. Mrz 2004 18:54, ergänzt 19:07
«Spiegel»-Chefredakteur Stefan Aust hat der Netzeitung erklärt, warum der jüngste Streit beim Hamburger Magazin nichts mit einer Gefährdung der inneren Pressefreiheit zu tun hat.
Aust trat auf Anfrage der Netzeitung dem daraufhin laut gewordenen Vorwurf von «Spiegel»-Mitarbeitern, dass die innere Pressefreiheit des Blattes nicht allzu groß sei, entgegen. Es gebe im «Spiegel» «zu vielen wichtigen gesellschaftlichen Themen oft unterschiedliche Auffassungen und manchmal auch recht kontroverse Dispute», meint Aust. Da unterscheide sich der «Spiegel» nicht von anderen Redaktionen. Aust: «Nicht ungewöhnlich sind dabei bisweilen höchst unterschiedliche Betrachtungsweisen auch bei uns im Haus, wie es nicht zuletzt im Vorfeld des Irak-Kriegs deutlich wurde.»Einige Jahre zuvor habe es im «Spiegel» quer durch die Redaktion «sehr gegensätzliche Einschätzungen» über das Buch «Die Globalisierungsfalle» gegeben. Die Autoren des Buchs: Harald Schumann und der Österreicher Hans-Peter Martin, damals ebenfalls «Spiegel-Redakteur. Aust: »Gegen die Meinung der zuständigen Ressort-Leitung habe ich damals entschieden, Vorabdruckrechte für das Buch zu erwerben und Auszüge davon auch im 'Spiegel' zu publizieren. So viel zum Thema 'innere Pressefreiheit'.«
In dem umstrittenen Artikel vom Montag setzt sich das Blatt sehr kritisch mit der Windenergie und ihrer Förderung durch die Bundesregierung auseinander. Zuvor sollen mehrere anders gelagerte Artikel Schumanns über die Windenergie nicht zur Veröffentlichung gelangt sein.
Aust weist darauf hin, dass es »natürlich grundsätzlich Aufgabe der Chefredaktion« sei, »unsinnige oder nicht der Realitätsprüfung standhaltende Geschichten nicht zu drucken - auch darin unterscheidet sich der 'Spiegel' nicht von anderen Redaktionen«. (nz)