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Eklat beim Spiegel

31. Mrz 2004 16:23
Einer der profiliertesten Journalisten des Magazins hat gekündigt. Dabei geht es nur vordergründig um die aktuelle Titelgeschichte.

Harald Schumann zählte zu den wichtigsten Journalisten des «Spiegel». Seit vielen Jahren beobachtet er kritisch und differenziert politische und gesellschaftliche Entwicklungen. So war er einer der ersten, die vor den Gefahren des Börsen-Hypes warnten - zu einer Zeit, als noch alle Zeichen auf «Buy» standen. Gemeinsam mit dem jetzt in die Schlagzeilen geratenen EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin veröffentlichte er den Bestseller «Die Globalisierungsfalle», weiters ein Buch über Attac.

Nun hat Schumann beim «Spiegel» Knall auf Fall gekündigt - und damit die Konsquenzen aus einer Entwicklung gezogen, die schon seit einigen Jahren beim Hamburger Magazin schwelt, allerdings nie zu einer richtigen Eskalation geführt hat. Es gehe, so sagen «Spiegel»-Mitarbeiter der Netzeitung, «um die innere Pressefreiheit». Namentlich genannt werden will keiner.

Schumann, der als penibler Rechercheur gilt, hatte gemeinsam mit einem anderen Kollegen eine Geschichte über die Windenergie geschrieben, die der Chefredaktion nicht negativ genug gewesen sein soll - wie der «Tagesspiegel» in seiner heutigen Ausgabe berichtet. Statt dessen wurde eine andere Geschichte über die Windenergie als Titelgeschichte gedruckt, die Schumann in der Redaktionskonferenz als «Desinformation und Propaganda» abgekanzelt haben soll.

Für Schumann sei, so ist aus der Redaktion zu hören, die Windenergie-Geschichte nur der letzte Auslöser gewesen. Sein Entschluss zu kündigen sei durch die Entwicklung im Blatt gereift. Es sei eine Mischung aus autoritärem Führungsstil und Eingrenzung der Themenvielfalt festzustellen, die dem Magazin in seiner Substanz schade.

Vor einigen Jahren war «Spiegel»-Chefredakteur Stefan Aust in die Kritik der Redaktion geraten, als er die Berichterstattung zugunsten von Telekom-Chef Ron Sommer gedreht hatte - was Sommer allerdings auch nicht mehr retten konnte. Angesichts der Medienkrise wurde es leiser im «Spiegel». So hätten sich die meisten entweder mit der Situation arrangiert oder seien in die «innere Emigration» gegangen - wie ein altgedienter Redakteur die Alternativen skizziert. (nz)

 
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