Eklat beim Spiegel
31.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Nun hat Schumann beim «Spiegel» Knall auf Fall gekündigt - und damit die Konsquenzen aus einer Entwicklung gezogen, die schon seit einigen Jahren beim Hamburger Magazin schwelt, allerdings nie zu einer richtigen Eskalation geführt hat. Es gehe, so sagen «Spiegel»-Mitarbeiter der Netzeitung, «um die innere Pressefreiheit». Namentlich genannt werden will keiner.
Schumann, der als penibler Rechercheur gilt, hatte gemeinsam mit einem anderen Kollegen eine Geschichte über die Windenergie geschrieben, die der Chefredaktion nicht negativ genug gewesen sein soll - wie der «Tagesspiegel» in seiner heutigen Ausgabe berichtet. Statt dessen wurde eine andere Geschichte über die Windenergie als Titelgeschichte gedruckt, die Schumann in der Redaktionskonferenz als «Desinformation und Propaganda» abgekanzelt haben soll.
Für Schumann sei, so ist aus der Redaktion zu hören, die Windenergie-Geschichte nur der letzte Auslöser gewesen. Sein Entschluss zu kündigen sei durch die Entwicklung im Blatt gereift. Es sei eine Mischung aus autoritärem Führungsstil und Eingrenzung der Themenvielfalt festzustellen, die dem Magazin in seiner Substanz schade.
Vor einigen Jahren war «Spiegel»-Chefredakteur Stefan Aust in die Kritik der Redaktion geraten, als er die Berichterstattung zugunsten von Telekom-Chef Ron Sommer gedreht hatte - was Sommer allerdings auch nicht mehr retten konnte. Angesichts der Medienkrise wurde es leiser im «Spiegel». So hätten sich die meisten entweder mit der Situation arrangiert oder seien in die «innere Emigration» gegangen - wie ein altgedienter Redakteur die Alternativen skizziert. (nz)

