netzeitung.deKirche kritisiert «inszenierten Tabubruch» bei «Big Brother»

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Sandra R. und Sohn Leon-Luca (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sandra R. und Sohn Leon-Luca
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach der Aufregung um das erste Kind im TV-Container warnt die Evangelische Kirche vor moralischen Spätfolgen für die ganze Gesellschaft. Thema: "Big Brother" und die Moral Endemol-Chef Brandt: Baby bei «Big Brother» möglich Bezahlte Sexspiele im «Big Brother»-Haus

Eine junge Frau, Stripperin und Nachtclubtänzerin, zieht in den RTL2-Container. Ihr kleiner Sohn lebt bei den Großeltern, und das schon seit langem. Die «Bild»-Zeitung hingegen berichtet lieber über die ««Herzlos-Mutter», die ihr Kind weggibt, um bei «Big-Brother» mitzumachen. Auch auf Grund der Berichte bekommt die 22-jährige daraufhin Besuch von dem Kind - und alle sind erst recht empört.

Unter anderem schimpft Familienministerin Renate Schmidt, die Macher von RTL II «sollten sich schämen». Produzent Borris Brandt sagte der «Neuen Revue» sogar, dass es im Verlauf der ein Jahr dauernden Show auch Zeugung und Geburt geben könnte - selbstverständlich vor laufenden Kameras.

Nur noch das Geschäft zählt
Eine Serie von »inszenierten Tabubrüchen« nennt das jetzt der Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche, Bernd Merz. Mittlerweile werde die Empörung bewusst gesucht, «weil sie das Geschäft ankurbelt». Wenn eine junge Frau sich ausziehe, RTL2 dies sende und die «Bild»-Zeitung vermeintlich entrüstet die entsprechenden Fotos zeige, hätten natürlich zuerst alle Seiten, «was sie wollen»: mehr Popularität, mehr Quote, mehr Leser.

Dagegen, so Merz, wäre nichts einzuwenden, wenn es bei dieser allgemeinen «Win-win»-Situation «nicht auch einen Verlierer gäbe: das Kind, den Sohn der jungen Realityshow-Teilnehmerin». Auch dieses Kind, das nicht freiwillig teilnehme, werde hier «in das Spiel gezogen».

Mutter immer noch nicht beim Kind
Und natürlich lasse sich dieses Spiel in die Länge ziehen: Kind besucht Mutter, alle sind empört, Mutter zieht aus - und, laut der Berliner «BZ» die neueste Wendung - absolviert erst einmal Pressetermine und kümmert sich wieder nicht um das Kind. So entstehe eine «Maschinerie, die sich ständig selbst zu füttern scheint».

Einziger Ausweg, laut Merz: Die Verantwortlichen müssten «die Finger von solchen Ideen lassen». Dass es Menschen gibt, die sich für solche Sendungen hergäben, sei keine Entschuldigung. Menschenwürde sei «nichts, mit dem man spielen kann». Dabei verlören alle, «auch diejenigen, die kurzfristig mit dem inszenierten Tabubruch und der geheuchelten Entrüstung Erfolge feiern». Die Gesellschaft verliere, «wenn dieser gefährliche Weg bis zum Ende gegangen wird». (nz)