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Sieger Max macht Grand Prix wieder jung

20. Mrz 2004 13:44
Fahrren nach Istanbul: Maximilian Mutzke und Produzent Stefan Raab
Plappernde Girlies und kreischende Jungschriftsteller: Der Grand-Prix-Vorentscheid hat sich deutlich verjüngt. Nach dem Sieg von Newcomer Max hat die Show aber auch einen neuen Ralph Siegel - Stefan Raab.

Thema: Der neue Vorentscheid
Selbst die Fürsprache von Helge Schneider hat nicht geholfen: Obwohl der Jazzer der Technoband Scooter per Einspielvideo mit gewohnter Spitzfindigkeit als «viel versprechendster deutscher Nachwuchsband» die Reise nach Istanbul wünschte, mussten sich die Plattenmillionäre aus Hannover am Ende einem kompletten Newcomer geschlagen geben:

Mit überragenden 92,05 Prozent wählten die Zuschauer von «Germany 12 Points» den Gymnasiasten Maximilian Mutzke im zweiten, entscheidenden Wahlgang zum deutschen Vertreter bei Eurovision Song Contest am 15. Mai.

Das spannende Finale, das von Moderatorin Sarah Kuttner mit den bereits legendären Worten, «Scheiße, Scooter!» eingeleitet wurde, war der krönende Abschluss eines ebenso wirren wie vielsprechenden Neuanfang der Sendung.

Punk bis Popstars

Westbam (r.) mit 'We are The Rebels'
Zuvor hatten sich ARD-Allzweckwaffe Jörg Pilawa und Moderatorenkollegin Sarah Kuttner (sonst bei Viva) nach Kräften durch das bunte Teilnehmerfeld gearbeitet. Von Castingteilnehmern (Overground, Patrick Nuo und auch der späterer Gewinner, Stefan Raabs Maximilian) über etablierte Chartstürmer (derzeit Laith Al-Deen, einst Sabrina Setlur) und Underground-Stars wie DJ Westbam und die Berliner Elektropunker Mia war alles dabei – mit Ausnahme des typisch deutschen Schlagers eben.

Lionel Richie war beeindruckt

Jung und bunt sollte der Abend nach Wunsch von NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer sein, um die Quoten (und wohl auch die Siegschancen in Istanbul) nach dem Einbruch im vergangenen Jahr endlich wieder nach oben zu schrauben. Das gelang denn auch. Allerdings waren es weniger die Moderatoren noch der etwas hektische Ablauf der Sendung, die den deutschen Vorentscheid wieder sehenswert machten. Nein, es waren die Kandidaten, die, so auch Gast-Juror Lionel Richie anerkennend, die ganze, derzeit durchaus beeindruckende Bandbreite der deutschen Musikszene zeigten.

Pilawa genervt von Kuttner

Sarah Kuttner und Jörg Pilawa
Unterstützt von ebenso prominenten (Kai Pflaume und Thomas Anders für Max, Yvonne Catterfeld für Laith Al-Deen) wie skurrilen Fürsprechern (der enthemmte Jung-Autor Benjamin von Stuckrad Barre, der sich für Westbams «We are The Rebels» förmlich überschlug), spielten viele Teilnehmer (vor allen anderen: Mia) mit einer Leidenschaft auf, die es bei diesem Wettbewerb zuvor schon lange nicht mehr gegeben hatte.

Das eigens eingekaufte Viva-Girlie Sarah Kuttner sorgte mit ihrem unentwegten Redefluss und den offenbar Viva-typischen ausschweifenden Betrachtungen über die eigene Befindlickeit (ICH habe schon damals...) allerdings für überflüssige Längen, so dass der sonst so nette Schwiegermutter-Liebling Jörg Pilawa sie öfter genervt unterbrach («Jetzt wollen wir aber endlich den Titel hören»!).

Pilawa selbst schien von so viel geballter Jugendlichkeit sichtlich überfordert und verortete den Song Contest bei einem seiner zahlreichen Versprecher immer wieder in Israel statt in Istanbul.

Wermutstropfen für den NDR

Keine Chance gegen die Raab'sche Power: H. P. Baxter von Scooter
Bis zum voraussehbaren Finale (Sänger Max hatte sich seine Teilnahme in der vergangenen Woche mit einem Chartseintritt auf Platz eins gesichert und galt denn auch als großer Favorit) war es ein eigentlich lustiger Abend – und relativ gesehen auch ein Erfolg für den Sender: Zu Spitzenzeiten schalteten 5,5 Millionen Zuschauer ein. Die Einschaltquote lag zwar 1,1 Prozentpunkte unter den 18,9 Prozent des Vorjahrs, dafür wurde sie durch die hohe Zahl der Anrufer bei der TED-Abstimmung (allein 848.219 Anrufer stimmten im Finale für Max) und einem Marktanteil von über 28 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen wieder wett gemacht. «Die älteren Zuschauer haben sich für die neue Form des Vorentscheids noch nicht mit großer Mehrheit begeistern können», erklärte der NDR denn auch.

Raab macht den Siegel

Maximilian Mutzke wurde bei Stefan Raabs
Die meisten der jüngeren Zuschauer dürften sich über den Sieg des neuen deutschen Platzhirsches bei Grand Prix gefreut haben. Mit dem dritten von ihm geförderten/produzierten Titel («Maximilians »Can't Wait Until Tonight« nach Guildo Horns »Guildo hat euch lieb« und dem selbst interpretierten »Wadde hadde dudde da«) beim Eurovison Song Contest darf sich Stefan Raab nun auch endgültig als legitimer Nachfolger von Ralph Siegel betrachten. Wohl auch, weil der von ihm geschriebene Titel mit dem etwas abgestandenen Spät-Sixties-Feeling in Istanbul bestenfalls Außenseiterchancen haben wird.
 
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