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«Big Brother 5»: Piercing statt Pisa-Schock

03. Mrz 2004 16:33
Abgetrennte Bereiche: Der neue 'Big Brother'-Container
Mit über drei Millionen Zuschauern ist der Einstand für «Big Brother» geglückt. Trash-Liebhaber und Fans des modernen Bodytunings kommen im sozial gestaffelten TV-Knast von RTL2 voll auf ihre Kosten.

Schon die Auswahl der Moderatoren ließ nicht viel Gutes hoffen: Neben Comedy-Kleingröße Ruth Moschner hatte RTL2 auch den ehemaligen Teeniestar Oli P. für die fünfte Staffel der Reality-Show «Big Brother» verpflichtet.

Angetan mit seltsamer Häkelmütze und schmerzhaft buntem Glanzblouson, durfte Oliver «ich habe jetzt auch einen Nachnamen» Petzokat die neun Kandidaten in ihre Wohncontainer geleiten.

Drei verschiedene Eingänge führen in den laut Eigenwerbung härtesten TV-Knast aller Zeiten. Gestaffelt nach «Reich», «Normal» und «Survivor» soll hier die moderne Form des Klassenkampfes, die mediale Antwort auf die angeblich so dringend reformbedürftige deutsche Gesellschaft stattfinden.

Gebt uns schmutzige Details!

Besonders weit her ist es in Deutschland mit der sozialen Mobilität ja bekanntlich nicht (vergleiche diverse Pisa-Studien) und so sind auch die mehr oder weniger liebevoll gestalteten Wohnbereiche der Kandidaten durch Gitterstäbe voneinander getrennt.

Neu im Container: Sandra aus Berlin mit noch unbezahltem großen Busen
Dadurch können sie sich die am gestrigen Dienstag eingezogenen neun Kandidaten beschnüffeln, der «erfolgreiche Unternehmer» wie Achim aus Rödertal etwa oder der «arbeitslose Sozialhilfeempfänger» Michael aus Berlin, sowie die «Normalos» wie Stylistin Silvia aus Heilbronn.

Viel Haut zeigen sie alle, gerne tätowiert, oft gepierct und gelegentlich auch künstlich nachgebessert wie etwa Stripperin Sandra («Bild» will denn auch wissen: «Schulden! Nicht mal ihr Busen ist bezahlt»).

Auf schmutzige Enthüllungen dieser Art hofft man in den Münchner TV-Studios natürlich weiterhin und das ganz unverhohlen. Moderatorin Ruth Moschner forderte die Zuschauer denn auch zähnefletschend zur Diffamierung auf: «Wenn Sie etwas über einen der Kandidaten wissen, was wir noch nicht wissen, rufen Sie nicht die Zeitungen an, sondern uns». Bei über drei Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von über zehn Prozent geht da bestimmt einiges.

Gesendet wird fortan jeden Tag ab 19 Uhr, bis zu einem Jahr lang könnte der TV-Knast andauern. Dem Sieger, der sich auf dem «Matchfield» bei diversen «Challenges» (wie etwa Eisblocksägen) im Haus und der Gunst der Zuschauer nach oben arbeiten kann, winkt eine Prämie von einer Million Euro.(nz)

 
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