«Big Brother 5»: Piercing statt Pisa-Schock
03.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Angetan mit seltsamer Häkelmütze und schmerzhaft buntem Glanzblouson, durfte Oliver «ich habe jetzt auch einen Nachnamen» Petzokat die neun Kandidaten in ihre Wohncontainer geleiten.
Drei verschiedene Eingänge führen in den laut Eigenwerbung härtesten TV-Knast aller Zeiten. Gestaffelt nach «Reich», «Normal» und «Survivor» soll hier die moderne Form des Klassenkampfes, die mediale Antwort auf die angeblich so dringend reformbedürftige deutsche Gesellschaft stattfinden.
Viel Haut zeigen sie alle, gerne tätowiert, oft gepierct und gelegentlich auch künstlich nachgebessert wie etwa Stripperin Sandra («Bild» will denn auch wissen: «Schulden! Nicht mal ihr Busen ist bezahlt»).
Auf schmutzige Enthüllungen dieser Art hofft man in den Münchner TV-Studios natürlich weiterhin und das ganz unverhohlen. Moderatorin Ruth Moschner forderte die Zuschauer denn auch zähnefletschend zur Diffamierung auf: «Wenn Sie etwas über einen der Kandidaten wissen, was wir noch nicht wissen, rufen Sie nicht die Zeitungen an, sondern uns». Bei über drei Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von über zehn Prozent geht da bestimmt einiges.
Gesendet wird fortan jeden Tag ab 19 Uhr, bis zu einem Jahr lang könnte der TV-Knast andauern. Dem Sieger, der sich auf dem «Matchfield» bei diversen «Challenges» (wie etwa Eisblocksägen) im Haus und der Gunst der Zuschauer nach oben arbeiten kann, winkt eine Prämie von einer Million Euro.(nz)

