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«Schmidts Weggang ist kein PR-Gag»

10. Dez 2003 15:11
Bernd Gäbler
Der Geschäftsführer des Adolf Grimme Instituts, Gäbler, rät Sat.1 davon ab, Harald Schmidt ersetzen zu wollen. Er sähe den Entertainer am liebsten bei der ARD, sagte er der Netzeitung.

Netzeitung: Die Trauerbekundungen über das Ende der «Harald Schmidt Show» nehmen kein Ende...

Bernd Gäbler: Weil Harald Schmidt eine außerordentliche mediale Figur ist - und auch bleibt. Außerordentlich, weil er Dinge verbunden hat, die es in dieser Kombination in den deutschen Medien bisher nicht gab: hohe Bildung und Schlagfertigkeit, die Distanz zum ganzen Medienrummel, den er uns dadaistisch vorgeführt hat, obwohl er doch selbst voll drinsteckt. Er tummelt sich dort und ist gleichzeitig Kontrapunkt zu all den Machtansprüchen und Idiotien. Er steht drüber und ist voll dabei. Das kann keiner so wie er.

Netzeitung: Das war aber nicht immer so...

Mehr in der Netzeitung:
Gäbler: Nein, anfangs war das eine reine Adaption von US-Medien - Jay Leno, David Letterman. Schmidt wurde heftig für seine politische Unkorrektheit kritisiert, heute ist er der Großliebling der Großfeuilletonisten.

Netzeitung: Und es gibt keinen Ersatz...

Gäbler: Ich würde niemandem raten, das zu versuchen. Da kann man nur verlieren!

Netzeitung: Was halten sie von dem Gerücht, dass es sich um einen großangelegten PR-Gag handelt?

Gäbler: Auf gar keinen Fall! Harald Schmidts Kreativpause hat meines Erachtens schon mit der neuen Situation in der Geschäftsführung des Senders Sat.1 zu tun. Er hat vorher angedeutet, dass er seinen Vertrag erst verlängern wird, wenn die Hoffmann-Frage [Martin Hoffmann, ehemaliger Sat.1-Chef] geklärt ist. Er wollte doch nicht in ein zähes Klein-Klein geraten, ob der zweite Kameramann nun zu teuer ist oder nicht. Schmidts Weggang ist ein Einschnitt in der Entwicklung des Privatfernsehens.

Netzeitung: Und wie, glauben Sie, geht es jetzt weiter?

Gäbler: Schmidt wird die gleiche Show nicht einfach zu einem anderen Sender transponieren können...

Netzeitung: Wird er denn überhaupt beim Fernsehen bleiben?

Gäbler: Zwar hat Claus Peymann angekündigt, dass Schmidt zum Berliner Ensemble geht, aber Schmidt ist selbstkritisch genug, zu wissen, dass er zwar ein guter Schauspieler ist, aber dieses hohe Niveau dann doch nicht erreicht. Fernsehen bleibt sein Medium.

Netzeitung: Und wo da?

Gäbler: Die ARD wäre gut beraten, mit ihm zu sprechen.

Netzeitung: Aber Schmidt selbst hat über das Thema, zu seinem alten Sender zurückzugehen, gesagt «Wer mal mit Claudia Schiffer gebumst hat, zieht nicht wieder bei seiner Mutter ein»...

Gäbler: Dieser Satz ist nicht Programm.

Das Gespräch führte Sophie Albers

 
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