«heute journal» für Frauenfeindlichkeit prämiert
09.11.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die ZDF-Nachrichtensendung «heute journal» hat für einen frauenfeindlichen Beitrag den Medienpreis «Saure Gurke» erhalten. In der Sendung seien Frauen falsch informiert worden, hieß es zur Begründung.
Ein im September ausgestrahlter Beitrag über Wechseljahre im ZDF-«heute journal» hat in diesem Jahr die «Saure Gurke» für frauenfeindliche Sendungen erhalten. Das wurde am Sonntag zum Abschluss des 26. Herbsttreffens der Frauen in den Medien von ARD und ZDF in Hamburg bekannt gegeben.
Die Medienfrauen-Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass es dem «heute journal» in dem Beitrag von Karin Catal gelungen sei, falsch über das Thema zu informieren. Die Wechseljahre seien als «schwere Krankheit» bezeichnet worden. Den Frauen wurde demnach unterstellt, sie nervten schlechtgelaunt ihre Familien, seien in dieser Zeit der Hormonumstellung arbeitsunfähig und kämen mit ihrem Leben nicht zurecht.
Kritik an zwei «Tatort»-AusgabenAls Antwort auf die Mutmaßungen habe die Autorin des Beitrags dann versucht, Frauen Lust auf Hormone in den Wechseljahren zu machen. Sie sollten demnach kein Angst haben vor Brustkrebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Und das, obwohl auf Beipackzetteln der entsprechenden Medikamente seit dem 1. November die erhöhten Risiken benannt werden müssten. Statt aber darauf zu verweisen, habe das «heute journal» männliche Experten zitiert, die es, wie es hieß, besser gewusst hätten.
Kritisch äußerten sich die Medienfrauen auch zu zwei «Tatort»-Ausgaben aus Berlin und München. Den Krimis «Zartbitterschokolade» und «Wenn Frauen Austern essen» gelinge es exzellent, sexuelle Belästigung als perfide Waffe der Frauen im Geschlechterkampf darzustellen.
Der Medienpreis «Saure Gurke» wird seit 1980 verliehen. Die Vergabe findet jedes Jahr auf dem Treffen der Medienfrauen von ARD und ZDF statt. (nz)