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Holtzbrinck verkauft «Tagesspiegel»
zu Sonderkonditionen an Gerckens

01. Nov 2003 12:23
Pierre Gerckens
Der ehemalige Holtzbrinck-Manager Gerckens genießt bei seinem Erwerb des «Tagesspiegels» extrem günstige Konditionen: Der halbe Preis wird erst 2008 fällig.

Der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag verkauft den Berliner «Tagesspiegel» laut einem am Samstag im Internet veröffentlichten Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) zu Sonderkonditionen an seinen ehemaligen Manager Pierre Gerckens. Demnach soll der Kaufpreis lediglich zehn Millionen Euro betragen.

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Der Bauer-Verlag hatte hingegen 20 Millionen Euro für die defizitäre Hauptstadtzeitung geboten - also genau den doppelten Betrag. Dennoch hatte Holtzbrinck sämtliche während der Ausschreibung eingegangenen Angebote mit dem Hinweis abgelehnt, sie seien nicht ernst gemeint. Der Verkauf an einen Ex-Manager des eigenen Hauses war Ende September eingefädelt geworden.

Drei-Raten-Zahlung mit Rückkaufoption

Der SZ zufolge muss Gerckens ersten Quartal 2004 zunächst 2,5 Millionen Euro anzahlen, weitere 2,5 Millionen seien im Oktober 2006 fällig. Die restlichen fünf Millionen Euro müsse der Käufer erst im Oktober 2008 zahlen. Dies gehe aus einer Absichtserklärung hervor, die der SZ vorliege.

Darin sei auch eine so genannte Call-Option erwähnt, mit der Holtzbrinck 75 Prozent der «Tagesspiegel»-Anteile zurückkaufen könne, falls das Kartellrecht entsprechend gelockert werde. Der Stuttgarter Verlag hatte den Verkauf des «Tagesspiegels» angestrengt, nachdem ihm das Kartellamt den Besitz zweier Hauptstadtzeitungen verboten hatte.

Gerckens will Blatt behalten

Holtzbrinck hatte zuvor die «Berliner Zeitung» gekauft, um das Überleben der Zeitung zu sichern. Gerckens wies nach Angaben der «SZ» den Eindruck zurück, dass die Zeitung bei ihm geparkt werden solle, bis Holtzbrinck wieder beim «Tagesspiegel» einsteigen dürfe.

«Ich will den 'Tagesspiegel' behalten und fortführen», wurde er zitiert. Eine Änderung der Kartellgesetze halte er für unwahrscheinlich. Gerckens erklärte die Ratenzahlung mit zu erwartenden weiteren Verlusten des «Tagesspiegels».

Jahresverlust im Durchschnitt 7,5 Millionen

Da er auch dafür aufkommen müsse, sei eine Einmalzahlung für ihn «schwer zu bewältigen», sagte er laut Bericht der SZ-Onlineausgabe. Laut SZ-Informationen hat der «Tagesspiegel» seit dem Einstieg von Holtzbrinck 1992 im Durchschnitt jährlich 7,5 Millionen Euro Verlust gemacht. Das Defizit solle nun allmählich sinken; ab 2007 rechne man mit Gewinnen. (nz)

 
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