netzeitung.de«Penthouse»-Chef: Eine schwarze Liste wäre eine Anregung

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Echter-falscher Mick Jagger (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Echter-falscher Mick Jagger
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Schweizer «Blick» wurde im September ein gefälschtes Mick-Jagger-Interview abgedruckt. Der Vorwurf traf auch «Penthouse». Dessen Chef sprach mit der Netzeitung über «Borderline»-Journalismus und Gegenmaßnahmen.

Nach Tom Kummers wilder Sharon Stone und dem Skandal bei der New York Times scheint der «Borderline»-Journalismus ein alltägliches Phänomen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Schweizer Zeitung «Blick» ein gefälschtes Mick-Jagger-Interview des Journalisten Robert Macher veröffentlicht hat. Nachrichtenagenturen verbreiteten, auch im Männermagazin «Penthouse» seien Teile daraus zu lesen. Das ist falsch, sagt «Penthouse»-Chefredakteur Klaus Beydemüller.

Netzeitung: Herr Beydemüller, gibt es im «Penthouse» nun ein Jagger-Interview oder nicht?

Klaus Beydemüller: Das ist eine Lachnummer. Nach dem gefälschten Interview im «Blick» sind die Kollegen von den Agenturen auch noch einer Ente aufgesessen. Das Interview ist im «Penthouse» nie erschienen. Herr Macher hat uns zwar Angebote gemacht, aber man hat uns schon vorher vor ihm gewarnt.

Netzeitung: Das hört sich an, als gäbe es noch mehr Tom Kummers da draußen?

Beydemüller: Ich behaupte mal, im Yellow-Press-Bereich ist die Gefahr sehr groß, weil alle auf der Suche nach Sensationen sind. Bei dem einen oder anderen Interview frage ich mich schon, ob das wohl echt ist. Der Umgang mit Interviews ist insgesamt sehr lax geworden. Da werden Fragen geändert, Sätze aus dem Zusammenhang genommen, um sie schmissiger und peppiger zu machen. Das ist dann aber kein 1:1-Interview mehr.

Netzeitung: Warum erfinden Journalisten Interviews?

Beydemüller: Ich glaube, das ist auch eine Not, die aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit unter Journalisten entstanden ist. Die Zahlen sind beängstigend.

Netzeitung: Ist «Borderline»-Journalismus denn ein neues Phänomen?

Beydemüller: Sicher nicht. Aber immer mehr Leute drängen in den Journalismus, auch ohne fundierte Ausbildung. Sie wissen gar nicht, wie man sauber recherchiert.

Netzeitung: Ist das Vertrauensverhältnis zu den Journalisten mittlerweile gestört?

Beydemüller: Das kann man schon sagen. Es gibt Journalisten, mit denen ich seit 20 Jahren zusammenarbeite, trotzdem werde ich mir die Sachen in Zukunft autorisieren lassen. Auch die Autorisierung von Interviews mit US-Stars - die bisher nicht Usus war - ist nach Tom Kummer die Regel. Bild und Text werden vorgelegt. Vielleicht haben diese Fälle die Medienlandschaft endlich mal wachgerüttelt.

Netzeitung: Gibt es mittlerweile eine schwarze Liste verdächtiger Journalisten?

Beydemüller: Nein, aber das wäre mal eine Anregung für den Journalistenverband...

Netzeitung: Wie kann man sich denn in Zukunft schützen?

Beydemüller: Es bleibt nur die Autorisierung. Wer sich auf die netten Kollegen verlässt, ist verlassen.

Mit Klaus Beydemüller sprach Sophie Albers