Holtzbrinck-Manager kauft «Tagesspiegel»
29.09.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Der durch den Verkaufsbeschluss überflüssig gewordene Antrag, Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) solle die Teilfusion von «Tagesspiegel» und «Berliner Zeitung» per Ausnahmegenehmigung erlauben, wurde gleichzeitig zurückgezogen. Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme des Berliner Verlages von der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr zuvor untersagt. Die Behörde befürchtete eine marktbeherrschende Stellung auf dem Berliner Zeitungsmarkt.
Holtzbrinck werde beim Bundeskartellamt nun erneut die Erlaubnis für den Erwerb des Berliner Verlags, in dem die «Berliner Zeitung» und der «Berliner Kurier» erscheinen, beantragen. Gerckens muss wiederum den Kauf des «Tagesspiegel» beim Kartellamt anmelden, wie eine Sprecherin der Behörde der Netzeitung bestätigte.
Bisher hatte die Gruppe argumentiert, dass ein Verkauf des «Tagesspiegels» nicht möglich sei, weil dies die wirtschaftliche Zukunft beider Blätter - «Tagesspiegel» und «Berliner Zeitung» - gefährde. Daher sei eine Fusion die einzig mögliche Lösung. Es hatte aber im Rahmen des Verfahrens für die Ministererlaubnis mehrere Interessenten für den «Tagesspiegel» gegeben, darunter den Hamburger Bauer-Verlag.
Im Rahmen des Verfahrens für die Minister-Erlaubnis hatte der Bauer-Verlag angeboten, den «Tagesspiegel» zu kaufen und eine Bestandsgarantie für sieben Jahren zu geben. Mit dem Verkauf an Gerckens gibt es aber nach Angaben des Holtzbrinck-Sprechers keine Bestandsgarantie für den «Tagesspiegel».
Es sei überraschend, dass plötzlich ein Käufer aufgetaucht sei, sagte ein Sprecher des Bauer-Verlags der Netzeitung. Bedenklich sei zudem, dass ein «Quasi-Mitarbeiter» von Holtzbrinck den «Tagesspiegel» übernehme. Der Bauer-Verlag werde den Vorgang genau prüfen.
Holtzbrinck wollte mit dem Kauf der «Berliner Zeitung» den Druck, die EDV, den Anzeigenverkauf sowie die Buchhaltung der beiden Zeitungen zusammenlegen. «Die geplanten Kooperationen sind unter den derzeitigen kartellrechtlichen Bestimmungen nicht möglich», sagte Aschermann. Mögliche Kooperationen mit dem wahrscheinlichen neuen Besitzer Gerckens ließ der Sprecher offen.
Er scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsrat von Holtzbrinck sowie allen anderen Gremien der Verlagsgruppe aus, wie der Verlag mitteilte.
Wirtschaftsminister Clement begrüßte die Entscheidung Holtzbrincks, den «Tagesspiegel» nun doch verkaufen zu wollen. Es sei gut, dass in dem Verfahren eine unternehmerische Lösung gefunden worden sei. Der jetzt eingeschlagene Weg sei auch «gut für den Berliner Zeitungsmarkt», sagte der Minister am Montag in Berlin. (nz)

