20.06.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Georg Gafron
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Georg Gafron muss Ende Juli als Chef der Boulevardzeitung «B.Z.» abtreten. Er soll ab Oktober eine «unternehmerische Tätigkeit« für den Axel-Springer-Verlag ausüben, sagte eine Sprecherin der Netzeitung.
Georg Gafron, 49-jähriges enfant terrible der Berliner Medienszene und seit Januar 2001 Chefredakteur der Boulevardblätter «B.Z.» und «B.Z. am Sonntag», wird ab 1. August von seiner Funktion entbunden. Dies teilte der Axel-Springer-Verlag (ASV) mit, in dem beide Berliner Zeitungen erscheinen.
Allerdings ist Gafron nicht völlig in Ungnade gefallen. Wie sein Amtsvorgänger Franz Josef Wagner, der seit seinem Abschied als B.Z.-Chef täglich einen «Brief» für die «Bild»-Zeitung schreibt, soll auch Gafron «als politischer Autor» täglich eine Kolumne für die «B.Z.» füllen, heißt es weiter in der ASV-Erklärung.
Neue unternehmerische Aufgabe ab 1. OktoberZudem werde Gafron ab 1. Oktober 2003 «eine neue unternehmerische Aufgabe im Verlag übernehmen». Wie diese Aufgabe beschaffen sein werde, wollte ASV-Sprecherin Carola Schmidt nicht erläutern: Doch Gafron sei genau der richtige Kandidat für sie.
«Es wird keine journalistische, sondern eine unternehmerische Tätigkeit sein. Es gibt eine ideal zugeschnittene neue Aufgabe für Herrn Gafron», sagte Schmidt der Netzeitung. Seine Ablösung als Chefredakteur der B.Z. bedeute nicht, dass man im Verlag mit seiner Arbeit nicht zufrieden sei. «Es gibt überhaupt keine Kritik an seiner publizistischen Leistung», betonte Schmidt.
Döpfner lobt verdoppeltes BetriebsergebnisAuch ASV-Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner fand laut Presseerklärung warme Worte für den Entlassenen: Mit Georg Gafron als Chefredakteur ist es dem Verlag gelungen, in einem extrem schwierigen Marktumfeld das Betriebsergebnis der B.Z. nahezu zu verdoppeln. Angesichts sinkender Auflage der Boulevardtitel spielt Döpfner damit offenkundig auf massive Einsparungen beim Personal an.
Neuer Chefredakteur von «B.Z.» und «B.Z. am Sonntag» wird Florian von Heintze. Der 42-Jährige hat bisher als Chefredakteur die allesamt im ASV erscheinenden Zeitschriften «Funk Uhr», «Tvneu» und «Bildwoche» geleitet.
Von Frenckell wird von Heintzes NachfolgerVon Heintze kennt die «B.Z.» gut: Dort begann er 1981 seine journalistische Laufbahn. Danach war er Reporter bei «Bild am Sonntag», ASV-Korrespondent in New York und für «BILD» in Bonn sowie stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift «Bunte», bevor er 1994 die Chefredaktion von TVneu übernahm.
Von Heintzes Nachfolger als Verantwortlicher für die drei bunten Blätter wird sein bisheriger Stellvertreter Jan von Frenckell. Nach einem Volontariat beim «Münchner Merkur» und mehreren Stationen bei der Zeitschrift «Bunte» übernahm von Frenckell seinen bisherigen Posten 1996.
Der Aufsichtsrat muss jedoch dem Personalwechsel noch zustimmen. Die «B.Z.» unter Leitung von Gafron hatte zuletzt mit Titelschlagzeilen wie «Saddam, verpiss Dich!» Befremden erregt vor allem im eigenen Haus. In einem offenen Brief hatten zahlreiche Springer-Redakteure gegen die vulgäre Wortwahl und tendenziöse Berichterstattung protestiert. (nz)