BMG-Chef kündigt zweite 'Superstar'-Staffel an05. Mrz 2003 07:51  | Thomas Stein, Chef der BMG Ariola München | Foto: BMG/ PR |
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BMG-Chef und «Superstar»-Juror Thomas Stein hat das Konzept der RTL-Show verteidigt. Im Interview mit der Netzeitung spricht er bereits von der zweiten Staffel.
Musikmanager Thomas Stein ist in den vergangenen Wochen als harter Juror der TV-Talentshow «Deutschland sucht den Superstar» bekannt geworden. Dabei leitet er eigentlich die Bertelsmann Music Group (BMG) und deren Firmensitze in Österreich und der Schweiz. Mit der Netzeitung sprach er über junge Talente und den Schaden durch Musik-Downloads.
Netzeitung: Auf der Echo-Verleihung fragte sich sogar die CDU-Vorsitzende Angela Merkel, ob eine Sendung wie «Deutschland sucht den Superstar» langfristig erfolgreiche Künstler aufbauen kann...
Mehr in der Netzeitung: Wirbel um die "Superstars" |
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Stein: Das kommt darauf an, wie sich jeder einzelne Kandidat sein Leben nach der Sendung vorstellt. Dann beginnt nämlich erst die eigentliche Arbeit. Bis dahin ist alles nur ein Repetieren bekannter Titel. Netzeitung: Geht es bei den «Superstars» neben dem ganzen Marketing überhaupt noch darum, einen guten Künstler zu finden? Stein: Das eine hängt mit dem anderen unmittelbar zusammen. Erstmal wollen wir junge Menschen finden, die später - wenn der Hype um die Sendung weg ist - in der Lage sind, daraus eine Karriere zu kreieren. Netzeitung: Sie haben einmal gesagt, dass es genügend hervorragende Künstler gebe, manche Acts den großen Durchbruch aber trotzdem einfach nicht schaffen. Lenken die «Superstars» nicht von den vorhandenen Talenten ab? Stein: Wenn wir nur auf die Superstars warten würden, müssten wir die meisten Mitarbeiter freistellen. «Deutschland sucht den Superstar» ist für uns eine ergänzende Plattform. Wir müssen trotzdem jeden Tag neue Künstler aufbauen. Manchmal ist es aber so – aus welchen Gründen auch immer – dass das Timing nicht stimmt. Das kann man gut an einem viele Jahre zurückliegenden Beispiel erklären: Wir haben Falco in England siebenmal veröffentlicht, bevor er eine Nummer eins wurde.
Netzeitung: Können sie sich vorstellen, dass es Nachwuchsbands gibt, die seit Jahren in feuchten Kellerräumen proben und sich beim Auftritt eines Daniel Küblböck einfach veralbert fühlen?
 | Ex-'Superstar'-Kandidat Daniel Küblböck | Foto: Superstar |
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Stein: Erstens: Bei «Superstar» geht es um Einzelpersonen. Zweitens: Alle die sagen, dass sie jahrelang geübt haben, hätten sich ja bewerben können. Wie Küblböck hätten sie sich der Tortur dieses Castings unterziehen können. Drittens, wer mühsam im Übungskeller oder in kleinen Studios agiert, hat nicht das Podium wie unsere Kandidaten. Dass sich da Enttäuschung breit macht, ist nachvollziehbar. Wenn der Daniel Küblböck allerdings morgen eine Platte macht, die niemandem gefällt, nützt ihm die ganze Plattform nichts. Da kann wieder derjenige im Vorteil sein, der langfristig arbeitet. Netzeitung: Wozu braucht man eine solche Show, wenn es doch gute deutsche Bands gibt... Stein: Nebenbei bemerkt: Bro’Sis und No Angels kommen auch aus dem Umfeld der Casting-Shows, und da hat sich niemand beschwert. Jetzt kommt eben RTL mit der «Superstar»-Geschichte, die ein weltweit anerkanntes Format ist. Es wäre geradezu nachlässig gewesen, darauf zu verzichten. Netzeitung: Finanziell «nachlässig»...
 | 'Deutschland sucht den Superstar' | Foto: rtl.de |
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Stein: Es wäre unklug gewesen, wenn RTL das Format nicht umgesetzt hätte. Es hat schließlich in England, Polen, Südafrika und Amerika wunderbar funktioniert. Und wir wären nachlässig gewesen, wenn wir nicht die Möglichkeit der Kooperation mit RTL wahrgenommen hätten. Auch Talente, die sich nicht beworben haben, haben fahrlässig gehandelt, weil sie diese Chance nicht wahrgenommen haben. Es wird aber sicher noch eine zweite Staffel geben, und dann können sich viele Leute mit einem noch höheren Eigenanspruch bewerben.Netzeitung: Was verdient ein Thomas Stein an einem «Superstar»-Abend, oder gehört es zu den Aufgaben eines Geschäftsführers sich Wochenende für Wochenende im Studio zu setzen? Stein: Ich mache vor allem deshalb mit, weil ich es vor einem Jahr dem RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler versprochen habe. Die Frage des Geldes war in diesem Zusammenhang nicht relevant. Netzeitung: In ökonomischer Hinsicht ein weniger erfreuliches Thema: Napster, Kazaa und die CD-Brennerei: Wie groß war der Schaden in der Branche im Jahr 2002 und bei der BMG im besonderen?
Stein: Ganz genau kann ich das nicht beantworten, da bei diesen illegalen Aktivitäten genaue Zahlen schwer zu recherchieren sind. Es gibt aber viele Fakten, die das Schadensausmaß vermuten lassen. Allein die MP3-Suchmaschine Kazaa ist bis heute über 195 Millionen Mal heruntergeladen worden. Sicher sind diese Entwicklungen zum großen Teil für das erneute Umsatzminus der Branche von 11,3 Prozent verantwortlich. BMG selbst schlägt sich da relativ gut, aber wir leiden darunter wie der Rest der Branche. Darum sind wir auch sehr engagiert, zusammen mit der Politik die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Urheberrechte schützen und gleichzeitig nicht zu restriktiv für den Konsumenten sind.Netzeitung: Wie weit sind die Gegenmaßnahmen der Plattenfirmen gediehen? Stein: Gegenmaßnahmen können sich nur durch ein attraktives Produkt bewähren. Viel wichtiger ist aber, dass man dem Endverbraucher vermitteln muss, dass er dafür bezahlen muss. Von nichts kommt nichts. Netzeitung: Wie kann es sein, dass die Firmen gegen das Runterladen und Brennen ankämpfen, manche Künstler sich hingegen für Downloads aussprechen oder Alben ins Netz stellen?
 | Robbie Williams | Foto: AP |
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Stein: Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Künstler große Vorauszahlungen von uns erwartet und gleichzeitig den Leuten sagt, wo sie es billiger bekommen. Solange wir Künstlern wie Robbie Williams Millionen zahlen und dazu noch Millionen an Aufwendungen haben, finde ich Williams Haltung, der die Leute zum Download auffordert, ignorant und absolut nicht in Ordnung. Wenn ich Chef der EMI wäre, würde ich ihn mal fragen, warum er erst von mir 90 Millionen Euro kassiert hat und dann zum Musikdiebstahl aufruft.
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