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Fernsehen boykottiert Hagens' Sektion

28. Jan 2003 12:46
Sämtliche deutschen Fernsehsender weigern sich, eine öffentliche Leichensektion von Gunther von Hagens zu übertragen. Sie folgen einem Aufruf der Kirche und des Grimme-Instituts.

In Großbritannien haben die Medienwächter Gunther von Hagens Fernseh-Autopsie für unbedenklich erklärt, nachdem sie von Chanel 4 ausgestrahlt worden war. In Deutschland wird es soweit nicht kommen. Sämtliche deutschen Fernsehsender haben erklärt, dass sie eine öffentliche Leichensektion nicht zu übertragen gedenken, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Dienstag mitteilte.

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Die Sender reagierten damit auf einen Aufruf, den die Kirche gemeinsam mit dem Adolf Grimme Institut gestartet hatte. Der «entscheidende Unterschied zwischen einer wissenschaftlich notwendigen Leichensektion und einem würdelosen Spektakel» liege in der inszenierten Medienaufmerksamkeit, hatte es in dem Aufruf an die Sender geheißen. Wenn alle sich dem verweigerten, liefe das geplante Showspektakel ins Leere.

Die ARD hatte bereits Ende Dezember erklärt, dass sie eine öffentliche Leichenöffnung nicht ausstrahlen würde, sollte sie stattfinden.

Journalistische Sorgfalt

Nun haben auch die Privaten ihre Zustimmung erklärt, allerdings mit Einschränkungen: «Auch RTL hält das Vorhaben, in München öffentlich eine Leiche zu sezieren, für problematisch», zitiert die EKD ein Schreiben des Senders. Allenfalls in Nachrichtensendungen müsse gegebenenfalls «in der gebotenen Kürze mit der gewohnten journalistischen Sorgfalt» darüber berichtet werden. Eine ähnliche Antwort gab es offenbar von Pro7 und Sat1. Die RTL II schrieb, «dass sich RTL II an keiner Berichterstattung zu dieser Thematik beteiligen wird.»

«Die Resonanz war durch und durch positiv», sagte der Rundfunkbeauftragte des Rates der EKD, Bernd Merz. «Die Reaktion der Sender hat gezeigt, dass sie nicht nur von Werten reden, sondern auch bereit sind, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.»

Gunther von Hagens stößt jedoch nicht nur in den Medien auf Widerstand. Noch ist gar nicht klar, ob die Stadt München, die er sich gewählt hatte, seine Sektion zulassen wird. Gerade erst wird dort mit großem Nachdruck versucht, Hagens' Ausstellung «Körperwelten» zu verbieten. (nz)

 
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