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Bertelsmann verschweigt Details
über Rolle im Dritten Reich

12. Okt 2002 18:20
Die Bertelsmann-Kommission hat einige Details über die Rolle des Konzerns im Dritten Reich verschwiegen. Offenbar sollten Reinhard Mohn einige peinliche Fragen erspart bleiben.

Von Ruben Benedikt
 
Man habe keine Einzelheiten ausgelassen, sagte der Historiker Saul Friedländer am Montag zufrieden, als seine Kommission die Geschichte von Bertelsmann im Dritten Reich in München vorstellte. Bertelsmann war alles andere als ein Widerstandsverlag, so die Historiker. Allerdings haben die Kommissionsmitglieder ein wichtiges Dokument über Reinhard Mohns Rolle bei der Legendenbildung absichtlich verschwiegen.

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Das «Wall Street Journal» findet es merkwürdig, dass die Kommission in ihrem Bericht ein von Mohn abgezeichnetes Dokument unerwähnt lässt, in dem sein Vater Heinrich Mohn das Unternehmen 1947 als Hort des Widerstands gegen die Nazis beschreibt, um eine Zeitschriftenlizenz zu erhalten. Zuvor hatte die Familie Mohn damals bereits Reinhards ältere Schwester Ursula aus dem Kreis der Firmeneigentümer ausgeschlossen, weil sie einst in der NSDAP tätig gewesen war. Das wurde den Briten umgehend mitgeteilt und gesagt, nun habe man «den einzigen Fehler» berichtigt, den man im Antrag für eine Buchlizenz begangen habe. Dass Heinrich Mohn die SS förderte verschwieg man den Besatzungssoldaten, wie die Kommission in ihrem Bericht ausführlich beschreibt.

Das «Wall Street Journal» findet es eigenartig, dass die Studie das von Heinrich unterzeichnete Papier nicht erwähnt. Immerhin habe Reinhard Mohn den Brief seines Vaters damals eingereicht und somit die Verantwortung für die Richtigkeit des Papiers übernommen. Auch hat Reinhard Mohn damals mehr und mehr die Rolle des Nachkriegschefs von Bertelsmann übernommen. Laut Journal sei dieser Brief schließlich Grundlage der Legende geworden, die 50 Jahre vom Unternehmen verbreitet wurde: Bertelsmann wurde geschlossen, weil man Hitlers Nazis tapfer widerstanden habe.

Eine der zentralen Fragen

Merkwürdig, dass die Historiker in diesem Zusammenhang offenbar nicht wissen wollten, wie es denn zu der Legende kam - und wieso sie so lange gehalten hat. Schließlich waren dies einige der zentralen Fragen, die 1998 zur Gründung der Kommission geführt haben. Der Historiker Norbert Frei, einer der vier Historiker der Kommission, schreibt dazu dem «Journal», die Legende sei kein zentraler Punkt der Forschung gewesen – weil sie die Nachkriegszeit betreffe.

Frei betreute die Passagen über die Familie und die Lizenzerteilung und hat die Texte darüber abgezeichnet. Im übrigen, so Frei, lasse die Kommission keinen Zweifel an der Rolle Mohns bei der Täuschung der Besatzungsmächte, um eine Lizenz zu erhalten, auch wenn ihn die Studie nicht direkt mit der Entstehung der Legende in Verbindung bringe.

Peinliche Frage für Mohn

Im übrigen, sagt Frei, habe man viele Dokumente nicht zitiert. Er könne sich an den fraglichen Text nicht einmal erinnern. Die Leitung des Firmenarchivs, das sich derzeit in München befindet, bestätigte dem «Journal» jedoch, dass die Kommission das fragliche Dokument eingesehen habe.

Der Soziologe Hersch Fischler, der die Untersuchung über die Vergangenheit 1998 mit einigen Forschungen und Artikeln ausgelöst hatte, sagte dem Journal, das Papier sei wohl weggelassen worden, um Reinhard Mohn weitere Fragen danach zu ersparen. Er selbst gab kein Statement ab. Er sei verreist und nicht zu sprechen, ließ die Bertelsmann-Zentrale wissen und gab lediglich eine Stellungnahme Mohns weiter, wonach der Firmengründer hofft, dass die Studie eine öffentliche Diskussion über die damalige Zeit auslösen werde.

 
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