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Bertelsmann war kein Widerstandsverlag

07. Okt 2002 13:12
Der Medienkonzern Bertelsmann hat während der Nazi-Diktatur gut verdient. Widerstand gegen das herrschende Regime hat es laut einer Untersuchung der Verlagsgeschichte kaum gegeben.

Der Medienkonzern Bertelsmann hat während des Dritten Reiches mit seinem «belletristischen Programm geprägt von nationalistischen Tönen und Parteinahme gegen die Moderne» gut verdient. Zu diesem Schluss kommt die Unabhängige Historische Kommission zur Erforschung der Geschichte des Hauses Bertelsmann im Dritten Reich (UHK).

Bertelsmann hatte Anfang 1999 ein Gremium von vier Wissenschaftlern beauftragt, diesen Teil der Verlagsgeschichte zu untersuchen. Die Kommission hat am Montag ihren abschließenden Untersuchungsbericht in München vorgestellt.

Die Legende, Bertelsmann sei als «Widerstandsverlag» geschlossen worden, sei nicht aufrechtzuerhalten. Sie habe ab 1945 dazu gedient, von den Besatzungsbehörden möglichst bald eine neue Verlagslizenz zu erhalten, so die Wissenschaftler in einer Presseerklärung. In Gütersloh seien einige holländische «Zivilarbeiter» beschäftigt worden, doch der ein Einsatz von Zwangsarbeitern sei nicht erfolgt. Allerdings habe es in Druckereien in Wilna und möglicherweise Riga, die einige Aufträge für Bertelsmann ausführten, jüdische Zwangsarbeiter gegeben, hieß es.

Hohe Auflagen

Das antimoderne Milieu habe sich im «theologischen und erbaulichen Verlagsprogramm», wiedergespielt. Mit der NS-Weltanschauung habe sich das Programm kritisch auseinandergesetzt, aber auch dafür Partei ergriffen, schreiben die Historiker. Es habe sich dank unkonventioneller Werbe- und Vertriebsstrategien gerade nach der NS-Machtübernahme mit wachsendem Erfolg verkauft. Dies gelte vor allem für die Kriegsbücher, die aus der Militarisierung der Gesellschaft Profit gezogen und diese gefördert hätten.

Der Medienkonzern will den Bericht der Kommission als uneingeschränkte offizielle Darstellung der Geschichte des Unternehmens im Dritten Reich akzeptieren. Bertelsmann-Chef Gunter Thielen bedankte sich bei den Wissenschaftlern für die gründliche und sorgfältige Arbeit. (nz)

 
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