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Grimme-Institut kritisiert TV-Duelle zwischen Schröder und Stoiber

23. Aug 2002 10:05, ergänzt 11:14
Kanzler Schröder und Herausforderer Stoiber beim ersten Print-Duell
Bedenkenlos geklaut: Das Grimme-Institut hält die TV-Duelle zwischen Kanzler und Herausforderer für eine verfehlte Form politischer Meinungsbildung

Das Grimme-Institut hat die anstehenden TV-Duelle zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber kritisiert. «Es ist wie so oft im Fernsehen», erklärte sein Geschäftsführer Bernd Gäbler am Freitag, «ein Format wird aus Amerika geklaut, ohne den Kontext zu berücksichtigen.» Im Präsidialsystem der Vereinigten Staaten sei ein Fernsehduell zwischen den Kandidaten in den allgemeinen Wahlkampf eingebettet, als eine Form der politischen Meinungsbildung.

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«Hätten wir hier aber eine Kanzlerdirektwahl», meinte Gäbler, «müsste Schröder sich keine Sorge um seine Wiederwahl machen und folglich gäbe es auch kein TV-Duell.» Damit spiele Gäbler, sagte eine Sprecherin des Instituts der Netzeitung, auf die gegenwärtige Beliebtheit des Kanzlers an, wie sie sich in den Meinungsumfragen spiegele.

Mit dem ausgestrahlten Aufeinandertreffen von Schröder und Stoiber sei es zwar möglich, viele Zuschauer zu erreichen, die sich sonst kaum für Politik interessierten, die Sender aber verspielten zugleich eine «demokratische Chance»: «Die Kanzler-Duelle werden nicht wie ein wichtiges Element der politischen Meinungsbildung dargeboten, sondern mit Trailern, Countdown, Live-Ereignis, Vor- und Nachbereitung dramaturgisch inszeniert wie ein Sport-Highlight.»

Wähler nicht als passive Zuschauer behandeln

Es fehle nur noch, fügte Gäbler an, «dass die besten Sätze anschließend in Zeitlupe wierderholt werden.» Zudem achteten alle Sender «peinlich» darauf, im Nachgang der TV-Debatte ihre Deutungshoheit zu wahren. Man dürfe aber den Wähler nicht als passiven Zuschauer behandeln.

Eine «Kommission zu den Kanzlerdebatten», bestellt aus mehreren medien- und politikwissenschaftlichen Instituten, beabsichtige, im Anschluß einen «kritischen Blick von außen» auf das Geschehene zu werfen. Der Deutschlandfunk strahle diese Debatte der Kommission gleich nach den TV-Duellen live aus.

Das Adolf Grimme Institut in Marl verleiht jährlich renommierte Preise für herausragendes Fernsehschaffen. (nz)

 
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