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«FAZ» entlässt jeden zehnten Mitarbeiter

18. Jun 2002 14:42, ergänzt 18:48
Bei der FAZ muss «alles auf den Prüfstand». Die «Berliner Seiten» trifft es bereits Ende Juni. Im ganzen Verlag wird es Kündigungen im «unteren dreistelligen Bereich» geben.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» stellt ihre Berlin-Beilage «Berliner Seiten» ein. Das bestätigte der Sprecher der Herausgeber, Dieter Eckart, auf Anfrage der Netzeitung.

Zugleich sollen betriebsbedingte Kündigungen im «unteren dreistelligen Bereich» das ganze Verlagshaus «quer durch alle Bereiche» treffen. Grund sei «der Sparzwang», so Eckart. Schon im März war bekannt geworden, dass das Unternehmen im Jahr 2001 einen Verlust von 27 Millionen Euro gemacht hat.

Unterstützung für Becker

Auch in diesem Jahr habe sich die Lage nicht gebessert, hieß es in einer Pressemitteilung der Zeitung. Die Aussichten für 2003 seien «ebenfalls verhangen». FAZ-Geschäftsführer Jochen Becker sprach in der Mitteilung von dem schwersten Umsatzeinbruch in der Verlagsbranche nach dem Kriege. Daher müsse bei der FAZ «alles auf den Prüfstand». Bei der FAZ sind vor allem die Erlöse aus den Stellenanzeigen stark rückläufig.

In der Pressemitteilung geht die FAZ aber noch weiter. Die Einschnitte sind nicht bloß Folge der schlechten Konjunktur: Sie werden «nicht zuletzt» gesetzt, um die «Unabhängigkeit der Zeitung zu sichern».

Geschäftsführer Becker soll, »um diese Maßnahmen möglichst kurzfristig und umfassend umzusetzen« für einige Monate das FAZ-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Bernhardt an die Seite gestellt werden. Dies sei Wunsch der Gesellschafter, insbesondere der Fazit-Stiftung.

Jeder zehnte muss gehen

Aus der Redaktion hieß es, innerhalb von zehn Tagen solle bekannt gegeben werden, wer gehen müsse. Von den Kündigungen betroffen seien ungefähr zehn Prozent der Mitarbeiter quer durch alle Ressorts.

Dem Betriebsratvorsitzenden Michael Spankus zufolge soll sich der Personalabbau bis Ende 2003 hinziehen. Der Betriebsrat rechnet damit, dass ihm noch in dieser Woche Listen mit Mitarbeitern, die gehen müssen, vorgelegt werden. Dann würde jeder Einzelfall geprüft.

Sondersitzung

Der Entschluss zum Personalabbau wurde den Redakteuren auf einer Redaktionssitzung am Dienstag in Frankfurt bekannt gegeben, darunter auch Berliner Redakteuren, die eigens für die Sitzung nach Frankfurt gekommen waren. In anderen Abteilungen des Verlagshauses herrscht «relative Ratlosigkeit», weil dort noch nichts offiziell bekannt gegeben wurde. Allerdings kursieren verschiedene offiziell nicht bestätigte Vorschläge zur Einsparung, so etwa die Kürzung des Feuilletons um zwei Seiten.

Bei Faz.net, der Tochterfirma, die für Internet und Radiobeteiligungen zuständig ist, glauben die Mitarbeiter, dass sie nicht in großem Maße vom Personalabbau betroffen sind.

Die FAZ gab ebenfalls am Dienstag bekannt, dass ab Juli die «FAZ»-Abonnements um 1,50 Euro pro Monat teurer werden und dann 28,60 Euro kosten. (nz)


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