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Der «Tatort» wird 500

16. Mai 2002 12:26
500 mal in Erstausstrahlung zu sehen: der 'Tatort'-Vorspann
Noch nicht Jahre, aber 500 Filme alt wird die wohl älteste existierende Krimireihe der Welt am Pfingstmontag.

In großer Feierstimmung sind die «Tatort»-Produzenten nicht wirklich. Erst vor anderthalb Jahren wurde das 30-jährige Jubiläum gefeiert, 1998 wurde die 400-Filme-Grenze durchbrochen. Statt große Jubiläen zu begehen, hat die ARD vier neue Kommissare eingeführt und damit neue Quotenrekorde erzielt, die die Frage, ob das Format zu alt ist, gar nicht erst aufkommen lassen.

Schimanski trank drei rohe Eier

Rabiat wie eh und je: Götz George als Schimanski.
Natürlich ist die Brisanz aus dem Format gewichen, die «Tatorte» einst besessen haben. Filmische Kunstwerke wie Wolfgang Petersens frühe Produktionen lassen sich kaum mehr finden. Kein Kommissar polarisiert mehr so wie einst Horst Schimanski, der erst einmal in seiner schummrigen Küche ganz langsam drei rohe Eier trank, als er 1981 das Licht des Bildschirms erblickte. Und der dann die Diskussion anzettelte, ob man eigentlich so oft «Scheiße!» sagen darf.

Jede größere Stadt wurde Krimi-Schauplatz

Heute darf man, aber die aktuellen Kommissarstypen sind überwiegend sensible, alleinerziehende oder anders beziehungsgeschädigte Großstadtmenschen, wie sie ziemlich oft im Fernsehen auftauchen. Was jedoch nicht daran liegt, dass sich die «Tatort»-Idee verbraucht hat, sondern daran, dass sie zum wesentlichen Protoyp geworden ist für die weit über 1000 Stunden Fernsehfiktion, die jährlich in Deutschland produziert werden. Das am 29.November 1970 begründete «Tatort»-Prinzip, jede größere Stadt zum Krimi-Schauplatz und jedes in den Zeitungen diskutierte Problem zum Krimi–Thema zu machen, hat sich durchgesetzt.

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Bei so vielen Krimis ist gestiegene Beliebigkeit auch der «Tatorte» kein Wunder. Die Zuschauer sind es gewohnt, jeden Sonntag nach der «Tagesschau» einen Krimi mit Mörderrätsel und etwas Gesellschaftskritik zu bekommen. Die einzelnen Filme sind ziemlich egal. In der Masse sind sie eine recht eindrucksvolle, mehr oder minder absichtlich realistische Chronik der Zeitgeschichte.

Diskussionen, was man darf

Löste Diskussionen aus, als sie eine Frau küsste: 'Tatort'-Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts).
Dennoch entzünden sich Debatten über das, was man darf, immer noch gern am «Tatort» - schon der Quoten wegen. Immer noch macht es die «Bild»-Zeitung zu einer Art Tagesgespräch, wenn Kommissarin Lena Odenthal eine Frau küsst. Immer noch wird irgendwo diskutiert, ob man nach dem 11. September eine Flugzeugentführung als Krimithema filmen kann. Häufig bekommen auch junge Regisseure wie die Brüder Reding («Oi! Warning») die Chance, einen «Tatort» zu drehen und das Format modern zu halten.

Fußball-Krimi zum Jubiläum

Zum Jubiläum zeigt der «Tatort» einen Film aus Bremen, der kleinsten «Tatort»-Produktionsstätte, der einmal wieder ein wenig beachtete Milieu einem größeren Publikum vorzustellt: «Tatort» 500 spielt im Umfeld eines viertklassigen, semiprofessionellen Fußballclubs. Es geht um den Mord am Trainer.

 
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