19. Apr 2002 16:38
Harter Stoff, traurige Kommissare: Am «Tatort» Frankfurt ermittelt ein neues Team in einem ziemlich guten Film.
Und weil der Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein sich überdies in seinen Schauplatz Frankfurt geradezu verliebt zu haben scheint - so starke Bilder zeigt er von der Skyline und nächtlichen Stadtlandschaften - ist «Oskar» ein gelungener Start für das neue Gespann. Sawatzki, die zuletzt in Dieter Wedels «Affäre Semmeling» zu sehen war, und der Grimme-Preisträger Schüttauf, zuletzt in «Liebesau» aktiv, treten beim Hessischen Rundfunk die Nachfolge des bis dahin dienstältesten «Tatort»-Kommissars Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) an, dessen Filme immer im Ruf einer gewissen sterilen Langweiligkeit standen.
Die lässt sich «Oskar» nicht vorwerfen. Der Stoff ist hart und emotional, es geht auch um ein totes Baby, das in einer Müllsortieranlage gefunden wird. Die Charaktere sind verletzlich und schweigsam und gehen ihrem Job schon deswegen mit traurigem Ernst nach, weil beide gute Gründe haben, sich nicht auf den Feierabend zuhause zu freuen.
Dass etwas mehr entweder Selbstironie oder Thrill das Debüt noch besser gemacht hätte, fällt da kaum ins Gewicht. Dieser Film bringt eine neue realistsche Polizeifilm-Note in den «Tatort», die dem alten Format kurz vor seinem 500-Filme-Jubiläum am 20. Mai gut tut.