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Am «Tatort» Frankfurt ermitteln neue Kommissare

19. Apr 2002 16:38
Harter Stoff, traurige Kommissare: Am «Tatort» Frankfurt ermittelt ein neues Team in einem ziemlich guten Film.

Zufällig sind all ihre vielbeschäftigten neuen Kollegen unterwegs, als Oberkommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) zum ersten Mal ihr neues Revier betritt. Und weil keiner ans Telefon geht, nimmt sie eben den Hörer ab. So hört sie die einzige Zeugenaussage im Fall des Gemeinschaftsmordes im Pornokino: Eine Zeugin berichtet, was sie gesehen hat, legt aber auf, bevor ihre Adresse notiert ist.

Geradezu verliebt in Frankfurt

Neue Kommissarin am Telefon: Andrea Sawatzki
So beginnt der erste «Tatort» des neuen hessischen Kommissarteams, den die ARD am Sonntagabend ausstrahlt. Und eigentlich müssten die Ermittler nun nach jener anonymen Zeugin suchen, bis sie sie finden. Doch dies ist gar nicht der einzige Fall, an dem die Ermittler Sänger und Dellwo (Jörg Schüttauf) in diesem «Tatort» arbeiten. Anstatt dass ein einziges Krimirätsel in exakt den 90 Minuten aufgelöst wird, bis «Christiansen» beginnt, überschneiden sich mindestens zwei Fälle, die nichts miteinander zu tun haben. Was angesichts der zahlreichen Zufalls-lastigen Krimi-Konstruktionen, die sonst am Sonntagabend laufen, einfach erfrischend realistisch wirkt.

Verletzlich und schweigsam

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Und weil der Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein sich überdies in seinen Schauplatz Frankfurt geradezu verliebt zu haben scheint - so starke Bilder zeigt er von der Skyline und nächtlichen Stadtlandschaften - ist «Oskar» ein gelungener Start für das neue Gespann.

Sawatzki, die zuletzt in Dieter Wedels «Affäre Semmeling» zu sehen war, und der Grimme-Preisträger Schüttauf, zuletzt in «Liebesau» aktiv, treten beim Hessischen Rundfunk die Nachfolge des bis dahin dienstältesten «Tatort»-Kommissars Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) an, dessen Filme immer im Ruf einer gewissen sterilen Langweiligkeit standen.

Die lässt sich «Oskar» nicht vorwerfen. Der Stoff ist hart und emotional, es geht auch um ein totes Baby, das in einer Müllsortieranlage gefunden wird. Die Charaktere sind verletzlich und schweigsam und gehen ihrem Job schon deswegen mit traurigem Ernst nach, weil beide gute Gründe haben, sich nicht auf den Feierabend zuhause zu freuen.

Dass etwas mehr entweder Selbstironie oder Thrill das Debüt noch besser gemacht hätte, fällt da kaum ins Gewicht. Dieser Film bringt eine neue realistsche Polizeifilm-Note in den «Tatort», die dem alten Format kurz vor seinem 500-Filme-Jubiläum am 20. Mai gut tut.

 
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