Mitteilung in eigener Sache: 

netzeitung.deAlles Gute für 2010! Wir sagen Tschüss

 Herausgeber: netzeitung.de

Eine der letzten redaktionell erstellten NZ-Seiten (Foto: screenshot / nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eine der letzten redaktionell erstellten NZ-Seiten
Foto: screenshot / nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Liebe Leserinnen und Leser, fast zehn Jahre lang haben Sie die Arbeit der Netzeitungsredaktion begleitet. Danke für Ihre Unterstützung und Kritik, für Kommentare, Leserbriefe - und Klicks. Mit dem Ende des Jahres hat auch die Arbeit des Redaktionsteams geendet. Ab dem 4. Januar werden die Inhalte der Netzeitung automatisch generiert.

Ein gutes neues Jahr wünschen wir von der Netzeitungsredaktion Ihnen allen, die uns - ob zufällig, ob gezielt, ob wiederholt oder nur einmal - bis hierher begleitet haben. Mit dem Jahreswechsel hat unsere Arbeit geendet, und ein automatisierter Betrieb tritt ab 4. Januar 2010 an die Stelle der Redaktion. Nach einem Kurz-Winterschlaf von drei Tagen werden also weiterhin aktuelle Nachrichten auf Netzeitung.de erscheinen, doch für uns Redakteurinnen und Redakteure ist der Moment des Abschieds gekommen.

Viele, viele Leserbriefe haben uns in den vergangenen Wochen erreicht, die uns gezeigt haben, dass wir für ein großes und treues Publikum gearbeitet haben, das jetzt Anteil nimmt an den einschneidenden Veränderungen. Wir haben es nicht mehr geschafft, persönlich auf all Ihre Zuschriften zu antworten, danken Ihnen jedoch nachdrücklich dafür.

Fast zehn Jahre ist es her, dass die Netzeitung online ging. Im Frühjahr 2000 wurde das Blatt von Nettavisen.no gegründet, den norwegischen Pionieren des Online-Journalismus. Sie mochten Berlin, hatten tolle Ideen aus Norwegen im Gepäck und kombinierten einfach beides miteinander. Als erste Tageszeitung, die nur online erscheint, machte die Netzeitung schnell von sich reden. Im selben Jahr wurde Netzeitung.de von Bertelsmann übernommen - der Beginn eines Reigens von Besitzerwechseln, die die Redaktion der Netzeitung im Laufe der Jahre oft amüsiert und immer erfreut über neue Impulse miterlebte.

Im Jahre 2003 ging das Unternehmen dann an den Chefredakteur und Geschäftsführer der Netzeitung Michael Maier und seinen Geschäftspartner Ralf Dieter Brunowsky. Sie bauten es zu einem übergreifenden Nachrichtenunternehmen aus. Inhaltlich bietet die Netzeitung seit ihrer Gründung einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Meldungen in den Ressorts Deutschland, Ausland, Wirtschaft, Vermischtes, Sport, Entertainment, Internet, Wissenschaft, Auto und Technik, Arbeit und Beruf, Reise und Wetter. Das Feuilleton sowie zahlreiche Kolumnen zu (tages-)aktuellem Geschehen ergänzen das nachrichtliche Angebot.

Fünf Jahre nach ihrer Gründung kehrte Netzeitung.de wieder zu ihren norwegischen Wurzeln zurück. Im Juni 2005 übernahm das in Oslo ansässige Medienunternehmen Orkla Media die Netzeitung Beteiligungs GmbH und setzte sie ins Zentrum ihrer deutschen Mediengruppe.

Ein gutes Jahr lang bildete Netzeitung.de neben der IT-News-Site Golem.de, dem Auto-Portal Auto-News 24.de (heute: Autogazette), dem Berliner Radio-Sender 100,6 MOTOR FM und der zentralen Vermarktungsorganisation Orkla Media Sales den Deutschen Ableger des norwegischen Medienkonzerns. In den Räumen in der Albrechtstraße arbeitete zu dem Zeitpunkt nicht nur die Online-Redaktion der Netzeitung, sondern auch die Kollegen von MOTOR FM, die NZ-Mitarbeiter, die für die Sendergruppe ProSiebenSat1N24 den Teletext erstellen, das Auto-Team, NZ-Mitarbeiter, die für diverse Sender Radionachrichten lieferten - und ein Team eigener Vermarkter. Eine trubelige, anregende Zeit war das.

Nicht nur hatte die Netzeitung das Platzen der New-Economy-Blase gut überstanden, sondern kam dem Wunsch immer näher, ein echtes Medienhaus mit vielfältigen einander ergänzenden Angeboten zu sein. Im Jahr 2005 wurde Netzeitung.de als meistzitiertes Online-Medium geehrt. Obwohl es ohne Print-Titel im Hintergrund immer schwierig ist, bekannt zu werden, gelang es der Netzeitungsredaktion, sich einen Namen zu machen als verlässliche Informationsquelle und unterhaltsame Lektüre.

Wirtschaftlich war es nicht immer einfach, manchmal sogar sehr schwierig. Doch immer wieder gelang es Geschäftsführung, Vermarkterteam und Chefredaktion, das Weiterleben der Netzeitung zu ermöglichen. Auch diesen Menschen gebührt Dank!

Von Juli 2007 bis einschließlich März 2009 gehörte Netzeitung.de der BV Deutsche Zeitungsholding GmbH, der Eigentümerin des Berliner Verlags. Die BV Deutsche Zeitungsholding wiederum war Teil der Mediengruppe des britischen Investors David Montgomery und seiner Mecom Group. Mit einem Umzug in das Haus des Berliner Verlags begann damit eine für die Netzeitung ganz neue Phase und Erfahrung: Plötzlich gehörten wir zu einer Zeitungsgruppe und waren nicht mehr die Einzelkämpfer mit dem Werbeschild, das jeder S-Bahn-Reisende kurz vor dem Bahnhof Friedrichstraße am Bürohaus erblickte.

Schnell kam die Idee, diese neue Situation zu nutzen und mit anderen Redaktionen im Haus gemeinsame Sache zu machen. Zarte Annäherungen zwischen der Redaktion der «Berliner Zeitung» und der Netzeitung waren erste Schritte auf diesem Weg. Bald zog die Netzeitungsredaktion in den Produktions-Großraum der Kollegen. Quer durch den Raum tauschten wir uns über Themen, Schlagzeilen, Gewichtung von Nachrichten aus.

Mit einem neuen Eigentümerwechsel von Mecom zum Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg im April 2009 kamen neue Ideen auf den Tisch: Was, wenn die Netzeitung Standort-übergreifend auch mit den anderen Titeln der Gruppe, der «Frankfurter Rundschau», der «Mitteldeutschen Zeitung», dem «Kölner Stadtanzeiger» kooperieren würde? Als einziges reines Online-Produkt hatte die Netzeitung alle Möglichkeiten, sich flexibel auf neue Formen der Zusammenarbeit einzulassen.

Doch dann kam die Finanzmarkt-Wirtschafts- und Medienbranchen-Krise. In einer Pressemitteilung des Presse- und Medienhauses Berlin, zu dem die Netzeitung als Teil der Mediengruppe M. DuMont Schauberg gehört, heißt es: «Aus wirtschaftlichen Gründen wird das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben. Aus diesem Grund wird sämtlichen Mitarbeitern in Kürze betriebsbedingt gekündigt werden. (...) Es wird geplant, zukünftig die Netzeitung als automatisiertes Nachrichtenportal zu nutzen.»

Es ist nicht das Aus der Netzeitung, aber das Aus ihrer Redaktion.

Wir sagen: Adé! Und: Danke für eine schöne Zeit.