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Friedrichs-Preis und 'Journalist des Jahres': 2009 könnte ein gutes Jahr für N. Brender gewesen sein (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Friedrichs-Preis und 'Journalist des Jahres': 2009 könnte ein gutes Jahr für N. Brender gewesen sein
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vielleicht geht es dem Journalismus gerade nicht so gut. Aber die Auszeichnungen, die er an sich vergibt, gedeihen. Zuletzt verliehen: der Leuchtturm-Preis, der Titel «Journalist des Jahres» und die ganz neuen Reporterpreise.

Was immer man den Journalisten vorwerfen kann: Dass sie einander zu wenig Preise verleihen, so zu selten auf ihre Leistungen aufmerksam machen und sich anschließend zu selten feiern, zählt nicht dazu. «Momentan 265 Preise» listet die Webseite journalistenpreise.de auf. Falls der diesjährige Marktaustritt des bekannten Journalistenpreises «Goldener Prometheus» eine Lücke gerissen haben sollte: Mit dem neuen «Deutschen Reporterpreis» ist sie schon wieder geschlossen.

Außerdem wurde gerade schon mal der «Journalist des Jahres» benannt, auch wenn die Preisverleihung erst nächstes Jahr steigt. Ach ja, und der «Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen» wurde vergeben.

Symbolisch dafür, wie es bei vielen Preisen im Medien-Business zugeht, steht eine Anekdote vom Hessischen Fernsehpreis, der im Rahmen des Hessischen Filmpreises vergeben wird und unter den auch nicht wenigen Fernsehpreisen zu den mittelmäßig wichtigen gehört. 2003 ging er an die Schauspielerin Hannelore Elsner. Die hannelore-elsner-fanpage.de berichtet: «Für diese einstimmige Entscheidung wurde Hannelore von ihrer Aufgabe als Jurymitglied befreit, indem sie kurzerhand vor die Tür gesetzt wurde (was sie ziemlich lustig fand :-))»

«Naheliegende Inzucht- und Kungel-Vorwürfe»
Letzte Woche berichtete Stefan Niggemeier, warum die Verleihung des Deutschen Reporterpreises in der Web-Kategorie an Matthias Eberl (für seine Audio-Slideshow «Außen Puff, innen die Hölle») «den richtigen getroffen hat». Unter seinen Text schrieb Niggemeier als «Offenlegung»: «Ich war nicht nur Mitglied der Web-Reportagen-Jury, sondern mit diesem Blogeintrag auch selbst in der Kategorie 'Text des Jahres' nominiert - was mich freut, aber zur Vermeidung naheliegender Inzucht- und Kungel-Vorwürfe doch eher keine gute Idee war.»

Auf die Idee, dass so etwas eine schlechte Idee sein mag, kommen nur wenige. Am Tag nach dem Tag, an dem die Reporterpreise vergeben wurden, vergab die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche den «Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen» an den Reporterpool des Radiosenders «NDR Info». Dass der NDR seit Jahren Gastgeber der (bei Journalisten mit Recht beliebten) NR-Jahrestreffen ist, dass der NDR-Intendant dort regelmäßig Grußadressen spricht, fand keine Erwähnung. Um Nicht-Norddeutschen den Preisträger vorzustellen, wurde ein Fernsehbericht des NDR-Medienmagazins «Zapp» eingespielt, der auf dem weiten Feld der in nachrichtliches Gewand gekleideten, Gebühren-finanzierten Eigen-PR eines der weniger eleganten Beispiele darstellt.

Dabei war die Wahl des Preisträgers selbst gut. NDR Info fördert in der Tat viele Exklusivnachrichten zutage und leistet mit kleinem Team gute Arbeit. Das ist auch im öffentlich-rechtlichen Sektor nicht selbstverständlich und gewiss preiswürdig. Und es geht ja auch um die Geste. So wie sie dem «medium magazin» am Tag, nach dem Tag, an dem die der Leuchtturm-Preis vergeben wurde, mit der Bekanntgabe seines 'Journalisten des Jahres' gelang. Den schönen Titel erhält der diesjährige Träger des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus: der noch amtierende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Dessen Amtszeit wurde vor kurzem unter großer Branchen- Aufregung bis März 2010 beschränkt.

«Nun reicht es mit der Symbolik», ärgert sich sich zumindest Horst Müller (blogmedien.de) und meint, Brender «war und ist vor allem selbst 'Gegenstand' der Berichterstattung. Mit journalistischen Leistungen» habe er sich 2009 nicht hervorgetan, «weder persönlich, noch mit den von ihm verantworteten Programminhalten des ZDF», bloß mit ein paar «Fehlleistungen».

Die vielen «Journalisten des Jahres»
Andererseits, das «medium magazin» (mm) kürt seit 2004 die «Journalisten des Jahres». Von 2005 bis 2008 hatte es Konkurrenz durch das zeitweise ebenfalls auf Papier, inzwischen als PDF-Newsletter erscheinende Medienmagazin «V.i.S.d.P.». Vier Jahre lang fischten beide aus dem ziemlich identischen Pool ihre «Journalisten des Jahres» und trübten wechselseitig den Glanz ihrer klangvollen Titel. Wenn nun, da der Journalisten-Promotheus wegfällt, die Chance auf umso größere Aufmerksamkeit besteht, wer will dem rührigen «medium magazin» verdenken, dass es sie ergreift, bevor Brenders Nachfolger bestimmt und damit Luft aus der Sache gelassen wurde?

Und wer will es Journalisten verdenken, die auch in noch so (u.a. durch Journalistenpreise) renommierten Redaktionen dauernd von Verlusten und vermutlich unumkehrbaren Einbrüchen hören, dass sie ihresgleichen und einander auszeichnen? Die «rund 60-köpfige Jury», die beim mm die Preisträger kürt, besteht einerseits «aus renommierten Journalisten und Medienexperten», andererseits aus «Vorjahrespreisträgern». «Auch viele der Juroren und Gründer des 'Reporter-Forums' haben bereits den Nannen-Preis oder, wie er früher hieß, den Kisch-Preis gewonnen, und es wurde nicht ganz klar, worin nun das Neue am Reporterpreis ...bestehen soll», beobachtete Nils Minkmar in der FAZ-Reportage von der Reporterpreis-Jurysitzung.

«Fast luhmannesk, wie sich bei Preisen immer, immer und immer wieder die selben Leute in der Jury und auf dem Podium treffen», kommentiert ein anonymer «Qualitätsjournalist» in der lebhaften Niggemeier-Diskussion zum Reporterpreis.

«Trinken und Reden»
Immerhin, wenn sie sich in immer mehr immer kleineren Kreise um sich selbst drehen, liegt wachsende Bedeutung der Journalistenpreise darin, dass sie die Fragementarisierung der Gesellschaft und ihrer Medien spiegeln. Es schadet auch keinem und zieht höchstens ein wenig Spott von denen nach sich, die eher nicht ausgezeichnet werden. Die taz zitiert in einer demonstrativ kurzen Reportage vom Reporterpreis die Kernaussagen «Bleiben Sie recht lange und trinken Sie ganz viel» und und «Journalismus pur» sei «Trinken und Reden.»

Übrigens wäre es auch keine Lösung, die Anzahl der Journalistenpreise zu reduzieren, wie nochmals das Paralleluniversum der Fernsehpreise beweist. 1998 gründeten ARD, ZDF, RTL und Sat.1 den Deutschen Fernsehpreis, um so die Inflation der bis dato vergebenen Fernsehpreise wie dem ARD/ ZDF-«Telestar» und dem «Goldenen Löwen» von RTL (den manche Schauspieler-Viten weiterhin gern mit dem Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig verwechseln), zu beheben. Dass der Deutsche Fernsehpreis allerdings in der breiten Öffentlichkeit wegen anderer Dinge bekannt ist als Marcel Reich-Ranickis Zornesausbruch, dass seine Reputation größer ist als die der in ihn eingegangenen Preise, lässt sich nicht behaupten.


[Äh, Offenlegung: Ich war selbst einige Male in den Jurys für die Preise, die «V.i.S.d.P.» und «medium magazin» an «Journalisten des Jahres» vergeben. Die Tätigkeiten bestanden im Wesentlichen im Vorschlagenkönnen von Namen und im Abstimmen über die Nominierten per Fax oder E-Mail.]


Für das Web ediert von Christian Bartels