Neue Pläne von AOL:
Wo Maschinen sortieren und Redakteure werben
30.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Das ist aber nett von AOL, den Nutzern des Portals vorher zu sagen, dass man künftig redaktionelle Beiträge und Werbung bis zur Unkenntlichkeit vermischen will. Neutraler gesagt: Der arg gebeutelte Internetpionier AOL plant nach Recherchen des «Wall Street Journal» einen umfassenden Umbau seiner Nachrichtenredaktion hin zu einer effektiveren Werbevermarktung.
Nachdem AOL über Jahre nur noch Verluste verzeichnen konnte, zuletzt die Entlassung von 2500 Mitarbeitern ankündigte und im Dezember vom Medienkonzern Time Warner abgetrennt wird, spricht AOL-Chef Tim Armstrong nun von einem radikalen Umbau. Das Portal soll ein «Magnet für Werber und Konsumenten» werden, indem beides im Bereich «digital content» enger verzahnt werde.
Maschinen und WerbungDabei gehe es um nichts anderes, als die Grenzen zwischen Journalismus and Werbung neu zu bestimmen, zitiert ihn das US-Wirtschaftsblatt. Eine «Revolution» des redaktionell erstellten «Contents» stehe an, da dieser sein volles Potenzial noch nicht erschöpft habe, sagte der ehemalige Google-Manager.
Demnach soll künftig die AOL-Nachrichtenredaktion Unterstützung von Maschinen erhalten, die die Vorauswahl der Nachrichten bestimmen. Diese sollen populäre Schlüsselbegriffe und -themen sowie möglicherweise auch lokale Unterschiede ermitteln, die anschließend redaktionell ausgewertet und bearbeitet werden.
«Advertorials» und «Freie»Und auch dabei sind Neuerungen eingeplant. Die potenzielle Werbekundschaft soll bereits in die Entstehung eines Artikels, Videos oder Fotos einbezogen werden die Redakteure seien aufgefordert, von Anfang an mit den Marketing-Abteilungen der Unternehmen zusammenzuarbeiten. Das Wort «Kontrolle» der Anzeigenkunden will AOL aber nicht gelten lassen.
Daneben soll es auch die übliche Werbung sowie sogenannte «Advertorials» geben, mit denen die Redaktion von AOL nichts zu tun habe und die direkt von den werbenden Unternehmen erstellt werden. Bereits im Dezember soll eine Testphase starten, so das «Wall Street Journal» weiter. AOL gibt die Anzahl der im redaktionellen Bereich beschäftigten festangestellten Mitarbeiter mit «mehr als 500» an, hinzu kämen 3000 «Freie».
Es könnten durchaus mehr werden, wie AOL betont sofern die interne Auswertung eines Text-, Foto- oder Videoangebots eines «Freien» als «vermarktbar» gelte bzw alternativ, dass solche Beiträge strikt aus der in der Umgebung platzierten Werbung finanziert würden: Zwischen null und 100 Dollar sei alles drin. Eine Reihe von Filtern schließlich scanne die auf diese Weise erstellten Beiträge auf Grammatik, Zeichensetzung, beleidigende Inhalte oder Plagiate. Ein Redakteur habe nur noch die «Fakten zu checken und den Beitrag zu publizieren».
Für das Web ediert von Maik Söhler.

