27.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Der Islamismus als nachrichtliches TV-Drama
Wenn über islamistische Terroristen berichtet wird, geht es selten um die Ursachen und viel häufiger um die Bekämpfung. Damit entstehe beim Zuschauer ein schiefes Bild, warnen Wissenschaftler.
Islamischer Terrorismus dominiert laut einer Studie die Abendnachrichten des deutschen Fernsehens. Über Ursachen werde eher selten gesprochen, häufiger werde der Kampf dagegen thematisiert, erklärten Medienwissenschaftler der Uni Leipzig am Freitag. Die Berichterstattung vermittle den Eindruck, dass Deutschland nach Afghanistan und dem Irak am stärksten bedroht sei, mehr noch als die USA.
Die Wissenschaftler fanden nach eigenen Angaben heraus, dass in Fernsehberichten über Terrorismus vergleichsweise oft Bilder der Opfer gezeigt würden. Über die möglichen Folgen vereitelter Anschläge werde mit dramatischer Sprache und mit Toneffekten berichtet, vor allem auf Privatsendern. «Aber auch öffentlich-rechtliche Sender bedienen sich teilweise solcher Formen der Dramatisierung», erklärte Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte.
Das Empfinden persönlicher Bedrohung durch Terrorismus hat sich demnach während der zwei Jahre dauernden Untersuchung deutlich verringert. Diese Einschätzung stehe im Widerspruch zu offiziellen Terrorwarnungen. Schließlich habe noch im September der damalige Bundesinnenminister die Gefahr von terroristischen Anschlägen in Deutschland als unverändert hoch bezeichnet. Auch mit dem Zusammenhang zwischen Terrorismus-Berichten und Fremdenfeindlichkeit beschäftigten sich die Jenaer Forscher. Demnach befürworten fremdenfeindlich eingestellte Personen, die Muslime generell ablehnen, verstärkt militärische Einsätze und verschärfte Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen. Die Terrorgefahr diene diesen Personen als Grund für die Ablehnung von Muslimen.
«In medial inszenierter Weise dramatisiert»«Dies sind vor allem Menschen, die in unserer Befragung angegeben haben, dass sie in ihrer Meinungsbildung über den Terrorismus vor allem von stark emotionalisierten und dramatisierenden Fernsehbildern beeinflusst seien», sagte Frindte. Er wolle die Gefahr des internationalen Terrorismus nicht verharmlosen. «Allerdings wird der Umgang mit diesen Gefahren nicht leichter, wenn die Terrorgefahren und Terrorrisiken in medial inszenierter Weise dramatisiert werden.»
Für die Studie befragten die Forscher nach eigenen Angaben 100 repräsentativ ausgewählte Erwachsene drei Mal in zwei Jahren. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler zwischen August 2007 und Februar 2009 Beiträge in den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und Sat.1, in denen Terrorismus, Anschläge und Anti-Terror-Maßnahmen thematisiert wurden. (AP)