Umbau zu reinem Doku-Kanal?: 

netzeitung.deBei N24 wackelt das N im Namen

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Christina von Ungern-Sternberg und Thomas Spahn moderieren im Studio von N24 (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Christina von Ungern-Sternberg und Thomas Spahn moderieren im Studio von N24
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Wofür N24 schon heute oft belächelt wird - die unkritische Ausstrahlung von Militär-Dokus und Wirtschaftsreportagen -, könnte die komplette Zukunft des Senders bedeuten. Auch andere Optionen werden dem Konzern zufolge geprüft, bis auf eine.

Der größte deutsche Fernsehkonzern ProSiebenSat1 erwägt den Verkauf seines Nachrichtensenders N24. «Wir prüfen alles, wobei Schließen im Moment nicht zur Debatte steht», sagte Vorstandschef Thomas Ebeling der «Süddeutschen Zeitung». «Aber ein Verkauf gehört dazu, auch eine Optimierung der derzeitigen Form von N24 bis hin zu einer völligen inhaltlichen Neuausrichtung», wurde Ebeling zitiert.

Eine Entscheidung werde es nicht vor Februar oder März geben. Ebeling begründete die Umbaupläne mit wirtschaftlichen Problemen bei N24: Nachrichten seien für ProSiebenSat1 «in jedem Fall ein Zuschussgeschäft». Imageprobleme durch ein Abstoßen von N24 erwartet er nach eigenen Worten nicht: «Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern. Der Durchschnittszuschauer wird nicht verzweifeln, falls es bei N24 Veränderungen geben sollte.»

Auf Sat1, ProSieben und Kabel 1 solle es auch künftig Nachrichten geben, betonte Ebeling. Derzeit werden die Sender von N24 beliefert. Das bei N24 frei werdende Geld solle in andere TV-Produktionen des Konzerns gesteckt werden: Ebeling nannte das Wissensmagazin «Galileo», Sendungen wie Stefan Raab zur Bundestagswahl oder spezielle Reportagen. Den Vorwurf, den Konzern kaputtzusparen, wies Ebeling zurück.

Der Betriebsrat von N24 hat mit deutlichen Worten auf die Ankündigungen des ProSiebenSat1-Chefs reagiert. «Jetzt sollen die Kolleginnen und Kollegen bluten, die jahrelang einen hervorragenden Job gemacht haben, und zwar für die Entscheidungen von Heuschrecken und Management», heißt es in einem Brief der Arbeitnehmervertretung an die Belegschaft, den der Nachrichtendienst Meedia.de am Freitag dokumentierte.

«Bluten» für Pocher/Kerner-«Flops»?
In dem Schreiben listet der Betriebsrat demnach die in seinen Augen getroffenen Fehlentscheidungen auf: «250 Millionen Euro Zinsen im Jahr für den erzwungenen Kauf von SBS» und «eine Serie millionenschwerer Flops bei Sat.1 (Pocher, Kerner, etc.)» Dass sich mit Nachrichten schwer Geld verdienen lasse, sei den Verantwortlichen schon bei der Gründung bewusst gewesen, hieß es ferner laut Meedia.de.

Dem Nachrichtendienst zufolge sprach Ebeling am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung sehr offen über die Überlegungen für die Zukunft von N24. Diskutiert werde auch die Option, auf Nachrichten zu verzichten und N24 zur reinen Abspielstation von Dokus, Doku-Soaps und Reportagen umzubauen, zitierte Meedia.de den 50-jährigen Manager. Für das jetzige Geschäftsmodell des Senders sehe man keine Zukunft mehr.

Eine weitere Variante: Eine Rumpfredaktion könnte behalten werden, um für ProSieben, Sat1 und kabel eins noch Nachrichten zu produzieren. ProSiebenSat1 startete Anfang 2000 mit N24 als Konkurrenz zu n-tv. (nz)