Wechsel bei der «Thüringer Allgemeinen»:
Chefredakteur «aus heiterem Himmel» geschasst
Die «Thüringer Allgemeine» hieß zu DDR-Zeiten «Das Volk» und war im Januar 1990 die erste SED-Bezirkszeitung, die sich für unabhängig erklärte. Lochthofen wurde damals von den Mitarbeitern zum Chefredakteur gewählt und gab dem Blatt seinen neuen Namen.
Nach dem Wunsch der Geschäftsführung soll Lochthofen eine andere Aufgabe übernehmen, «die seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht». In einer E-Mail an die Mitarbeiter schreibt der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen, Klaus Schrotthofer, trotz der großen Verdienste Lochthofens sei ein Wechsel in der Chefredaktion sinnvoll und notwendig, um den 2008 begonnenen Weg der Erneuerung fortsetzen zu können.
Lochthofen kam 1953 als Sohn eines internierten deutschen Kommunisten im russischen Workuta zur Welt. Seine Mutter ist Russin, sein Vater Deutscher. Die Familie siedelte Ende der 50er Jahre von der Sowjetunion in die DDR über.
Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Bodo Ramelow, kritisierte: «Hier wird mit der Pressefreiheit sorglos Schlitten gefahren. Offenbar ist das erklärte Ziel, die Thüringer Presselandschaft willfährig zu machen.» Raues Nachfolge in Braunschweig wird zunächst kommissarisch der stellvertretende Chefredakteur Stefan Kläsener (45) übernehmen. (dpa/nz)
