Entscheidung über ZDF-Chefredakteur steht an:
Staatsrechtler gegen «Rechte» im Fall Brender
Das Gremium soll laut ZDF-Statuten «im Einvernehmen mit dem Intendanten» den Chefredakteur benennen, in diesem Fall die Vertragsverlängerung beschließen. Neun von 14 Mitgliedern des Verwaltungsrats müssen für den 60-jährigen Brender stimmen. Die Mehrheit der 14 - wie zum Beispiel der stellvertretende Vorsitzende Koch - wird jedoch dem rechten politischen Lager zugeordnet, eine Minderheit dem linken, wie etwa der Vorsitzende Kurt Beck (SPD). Brender selbst ist parteilos, gilt in der öffentlich-rechtlichen Farbenlehrer als links.
Die Zeit für eine Entscheidung sei reif. Schächter hatte die Personalie, die bereits Ende März auf der Tagesordnung gestanden hatte, auf die Sitzung nach der Bundestagswahl verschoben. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass sich der Veraltungsrat auf eine Fortsetzung mit dem 60-jährigen Brender nicht wie üblich um fünf, sondern um ein weiteres Jahr habe einigen wollen. Dies wurde jedoch später dementiert.
Koch hatte in Zusammenhang mit Brender von «bitteren Zahlen» im Bezug auf Einschaltquoten aktueller Nachrichtensendungen während dessen Amtszeit gesprochen. In der Debatte gehe es nicht um «politische oder gar parteipolitische» Fragen, hatte Koch gesagt und kritisierte die Veröffentlichung eines Briefes prominenter ZDF-Journalisten, die Brender unterstützten. Damit werde versucht, Druck auf den Verwaltungsrat auszuüben.
«Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG garantiert die Rundfunkfreiheit. Sie ist eine wichtige Säule unseres demokratischen Staatswesens. An dieser Säule wird gerade gesägt, und zwar von einigen Mitgliedern des Verwaltungsrats beim ZDF. Nikolaus Brender soll keine oder eine unüblich kurze Vertragsverlängerung als Chefredakteur erhalten, angeblich weil die Quoten im Informationssegment nicht stimmen.»
Für den Justiziar des Norddeutschen Rundfunks, Werner Hahn, geht es in dem Streit um den «staatsvertraglich verankerten Zugriff der Länder auf den öffentlich-rechtlichen Sender». «Wie bei keiner anderen Rundfunkanstalt haben sie es beim ZDF verstanden, ihre Machtinteressen in Paragrafen zu gießen», sagt er. Es könne daher kaum darauf gehofft werden, dass der Rundfunkstaatsvertrag geändert wird und der Einfluss der Länderregierungen schwindet.
Der 60-jährige Brender ist seit April 2000 Chefredakteur. Die Mitglieder des Verwaltungsrates werden vom Bund, den Ländern und dem Fernsehrat bestimmt. Neben Beck (SPD) und Koch gehören zu den weiteren Mitgliedern die Ministerpräsidenten des Saarlandes, Peter Müller (CDU), und von Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD), der frühere bayerische Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) und der Kultur-Staatsminister der Bundesregierung, Bernd Neumann (CDU). (Carsten Rave und Andrea Löbbecke, dpa)
