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Oetker-Entführer will Sat.1-Film verhindern

03. Jul 2001 16:22
Der Entführer von Richard Oetker will einen Sat.1-Film verbieten. Doch der Fernsehsender hat bei den Gerichten schon vorgebeugt.

HAMBURG. Dieter Zlof, der Entführer des Industriellen-Sohns Richard Oetker, will die Ausstrahlung des Sat.1-Zweiteilers «Der Tanz mit dem Teufel» verhindern. «Wir erwägen eine einstweilige Verfügung, um die Ausstrahlung zu unterbinden», sagte Zlofs Anwalt Markus Schwarz von der Münchner Anwaltskanzlei Bossi.

«Keine Person der Zeitgeschichte»

Bei Zlof, so Schwarz, handele es sich keineswegs um eine «absolute Person» oder eine «relative Person» der Zeitgeschichte, die es hinnehmen müsse, in einem TV-Film dargestellt zu werden.

Der Film befasse sich - zumindest im zweiten Teil - im wesentlichen mit dem Täter, auch wenn der einen anderen Namen, nämlich Cilov statt Zlof, trage. Der Zuschauer merke jedoch, dass Zlof gemeint sei. Die Kanzlei hatte Sat.1 schriftlich aufgefordert, den Film weder mit Trailern zu bewerben noch auszustrahlen.

«Absolute Person der Zeitgeschichte»

Original-Dokument:
Offenbar in weiser Voraussicht hat Sat.1 bereits bei 120 deutschen Gerichten eine Schutzschrift gegen die drohende einstweilige Verfügung hinterlassen. Dort ist von Zlof als einer «absoluten Person» der Zeitgeschichte die Rede - außerdem habe sich der Täter ohnehin schon nach Verbüßung seiner Haftstrafe mit einem Buch und Talkshow-Auftritten in die Öffentlichkeit begeben.

Sat.1 argumentiert darüber hinaus mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 1999. Damals wurde entschieden, dass der Sender einen fiktiven Film über den Soldatenmord in Lebach im Jahre 1989 ausstrahlen durfte.

Einer der Täter hatte seine Resozialisierung als gefährdet gesehen und hatte gegen die Ausstrahlung geklagt. Die Karlsruher Richter bewerteten ein vorausgehendes Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz, das dem Täter Recht gab, als Verletzung der Rundfunkfreiheit.

21 Millionen Mark Lösegeld

Der Millionen-Erbe Richard Oetker wurde im Jahre 1976 entführt und nach der Zahlung des Lösegeldes in Höhe von 21 Millionen Mark schwer verletzt freigelassen. Der Täter wurde gefasst und verurteilt. Kurz nach seiner Freilassung wollte er das Lösegeld umtauschen und geriet in eine Polizeifalle.

Sebastian Koch spielt in dem Film den Konzernerben Richard Oetker, Sophie von Kessel ist seine Freundin Christine, sein Entführer wird von Christoph Waltz dargestellt, Günther Maria Halmer leitet als Heinz Stegmayr die Oetker- Sonderkommission. Regie führt Peter Keglevic. (dpa)

 
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