US-Präsident bezeichnet Rapper als «Esel»: 

netzeitung.deObama, Kanye West und die Twitter-Petzen

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Kanye West und Freundin Amber Rose im Vorfeld der MTV Awards (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kanye West und Freundin Amber Rose im Vorfeld der MTV Awards
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Selbst im Weißen Haus hat der Pöbel-Auftritt von Rapper Kanye West bei den MTV Awards für Verärgerung gesorgt. Dass eine informelle Bemerkung von Barack Obama dann aber die Runde machte, sorgt für Aufregung in Washington und eine Journalismus-Debatte.

Rapper Kanye West hat mit seinem Ausraster bei den MTV Awards offenbar auch Präsident Barack Obama verärgert. Der nannte West wegen seines Benehmens gegenüber Country-Popstar Taylor Swift unverblümt einen Esel - allerdings im nichtoffiziellen Teil eines Interviews. Die «Jackass»-Äußerung gelangte trotzdem per Twitter an ein Millionenpublikum, und wird dort seitdem noch immer heiß diskutiert. Was auch dazu führte, dass in den USA eine Diskussion über die journalistische Ethik im Zeitalter der Online-Kurznachrichtendienste entbrannt. Obamas Meinung über West ist nämlich nicht über den Sender CNBC, der das Interview mit ihm führte, an die Öffentlichkeit gelangt.
Wenn das Mikro nicht aus ist...
Journalisten des Konkurrenzsenders ABC hörten das Geplauder zwischen Obama und CNBC-Journalist John Harwood vor Beginn des eigentlichen Interviews mit. ABC und CNBC teilen sich aus Gründen der Kostensenkung nämlich eine Glasfaserleitung; deshalb konnten die ABC-Mitarbeiter mithören, was Harwood und Obama in dem Aufnahmeraum sagten. Derlei Vorgeplänkel gelten aber als vertraulich und sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Obama wurde gefragt, ob seine Töchter wegen Wests Auftritt verärgert seien, in dem der Rapper der verdutzten Preisträgerin erklärte, dass nicht sie, sondern Beyoncé Knowles die Auszeichnung verdient habe. «Ich denke, es war völlig unangemessen», sagte Obama. «Was mischt er sich da ein?» Als ihn jemand fragt, was wohl Wests Beweggrund sei, redet Obama Klartext: «Er ist ein Esel.»
Mindestens drei «Petzer» im Netz
Obama schien sofort gemerkt zu haben, dass er als Präsident zu weit gegangen war. Die im Raum anwesenden bittet er jovial, aber ausdrücklich, den Ausspruch vertraulich - 'off the record' heißt so etwas im Journalistenjargon - zu behandeln. «Leute, kommt schon, macht's dem Präsidenten nicht so schwer. Ich habe genug am Hals.» Geholfen hat der Appell nicht: Unter ABC-Mitarbeitern kursierten kurz darauf E-Mails über die Äußerung, die Obama nicht gemacht haben wollte. Mindestens drei Angestellte fütterten den Twitter-Dienst mit dem Satz.

Einer war Terry Moran, ein Ex-Korrespondent beim Weißen Haus. Er twitterte: «Präsident Obama hat Kanye West gerade einen 'Esel' für seinen Ausbruch bei den VMAs genannt, als Taylor Swift gewann. Also DAS ist präsidial.»

ABC entschuldigt sich bei Weißem Haus und CNBC
Als ABC davon entfuhr, sorgte das Medienunternehmen dafür, dass die Tweets nach rund einer Stunde gelöscht wurden. Der Sender entschuldigte sich sowohl beim Weißen Haus als auch bei CNBC. Aber die Nachricht war trotzdem draußen. Harwood erklärte, es habe keine ausdrückliche Vereinbarung mit dem Präsidenten gegeben, ob die West-Kommentare off the record waren. Es sei aber bei allen Sendern Tradition, Äußerungen vor dem formalen Beginn des Interviews als vertraulich zu behandeln. Er blieb auch nach den ABC-Twittern dabei: Er wolle nicht darüber sprechen, was Obama vor dem Beginn des Interviews gesagt habe - auch nicht in einem Beitrag für CNBC.

Die neuen Technologien und der Journalismus
Medienwissenschaftler reagierten unterschiedlich auf den Zwischenfall. Professor Richard Wald, eine ehemalige ABC-Führungskraft, sagte, Journalisten müssten angesichts neuer Technologien ihren Sinn dafür schärfen und genau überprüfen, was für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Eine Expertin für journalistische Ethik des Poynter-Instituts, Kelly McBride sagte: «Wenn man vor einem eingeschalteten Mikrofon sitzt, gibt es keinen vernünftigen Grund für Vertraulichkeit. Als Gouverneur oder Präsident weiß man das.» Sie bezweifelt auch, ob die Medien eine Pflicht hätten, sich auf Vertraulichkeitsvereinbarungen einzulassen.

Nach dem, was in Twittern zu Wests Verhalten zu lesen sei, befinde sich Obama mit seiner Einschätzung keineswegs in der Minderheit. «Wenn der Präsident Kanye West einen 'Esel' nennt, ist das eine perfekte Information für einen Tweet. Das ist doch ein ideales Format, in 140 Anschlägen ist alles gesagt.» (nz/AP)