Kerstin Kullmann beim ZDF-Morgenmagazin: 

netzeitung.deNetz-Empörung über «Spiegel»-Redakteurin

 Herausgeber: netzeitung.de

Kerstin Kullmann und Cherno Jobatey im Gespräch (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kerstin Kullmann und Cherno Jobatey im Gespräch
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kerstin Kullmann ist eine Redakteurin des «Spiegel», die bisher wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Eine Aussage von ihr über den «rechtsfreien Raum» Internet hat ihr nun allerdings mehr davon eingebracht, als ihr lieb sein wird.

Morgens kurz nach dem Aufstehen (oder auch manchmal deutlich vor dem Aufstehen) im ZDF-Morgenmagazin aufzutreten, ist kein Job, um den sich Journalisten balgen. Eigentlich noch müde, muss man dort hellwach sein, um die Schlagzeilen der Tageszeitungen zu kommentieren - oder gern auch die des eigenen Blattes.

Nun hat es Kerstin Kullmann getroffen, die beim «Spiegel» arbeitet. Ihr kurzer Auftritt wird derzeit deutlich verlängert dadurch, dass er immer wieder bei Youtube abgerufen, bei Twitter kommentiert und in Blogs verrissen wird.

Was ist geschehen? Moderator Cherno Jobatey hielt Kullmann den aktuellen «Spiegel» hin, der sich dem «Netz ohne Gesetz» widmet. Die 30-Jährige erklärte artig, ihre Kollegen beschäftigten sich mit der Frage: «Wie schafft man Regeln im Internet? Kann es sein, dass man sogar eine Art Recht etabliert im Raum, der weitgehend rechtsfrei ist?» Rechtsfrei? Da hätte Jobatey durchaus nachhaken können. Er ließ aber weiterplaudern: «Kinderpornografie, Gewaltdarstellung – all das, was im echten Leben nicht möglich ist, scheint im Netz zu gehen.»

Von den Kommentaren, die sie dafür im Netz erhielt, gehören folgende zu den harmloseren: «Der SPIEGEL als kompetenzfreier Raum, dargestellt am Beispiel Kerstin Kullmann». (Twitter) Und: «Kinderpornografie und Gewalt gibt es nicht im echten Leben!?!? Waren sie je im Leben schon mal auf dem Planeten Erde, Frau Kullmann?» (Youtube)
Refugien
Der ZDF-Morgengast gibt mit seiner Sicht des «rechtsfreien» Internets letztlich allerdings auch nur das zu Protokoll, was in der «Spiegel»-Titelgeschichte mit «Refugien der Diebe, Rufmörder, Kinderschänder» beschrieben wird. Hätte man das Thema wirklich diskutieren wollen, hätte man da bereits ausreichend Futter gehabt. Bleibt die Frage, die ein User bei Youtube stellt: Was hat Jobatey dazu bewogen, auch nicht nur ein bisschen auf das einzugehen, was da binnen Sekunden an selektiver Halbwahrheit über den Äther ging? «Warum kommen von dem keine Fragen?».

Die Netzeitung beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema in der Kolumne Blogblick. (nz)