Angebliche Pressekonferenz auf Twitter: 

netzeitung.de«FAZ» fällt auf falschen Harald Schmidt rein

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Fake-Account von Harald Schmidt bei Twitter (Foto: Screenshot nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fake-Account von Harald Schmidt bei Twitter
Foto: Screenshot nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Harald Schmidt schäkert bei Twitter mit Fans und erzählt, dass er Oliver Pocher keine Träne nachweine. Harald Schmidt? Von wegen! Doch noch immer gibt es offensichtlich Journalisten, die von dem Fake-Account nichts mitbekommen haben.

So, so, Harald Schmidt hat also getwittert, dass er sich für seine Show Nicole Kidman als Studiogast wünsche. Dass er erst kurz vor der Bundestagswahl politischer werde. Und dass er Oliver Pocher keine Träne nachweine. Das alles schrieb der Talkmaster bei einer Pressekonferenz auf Twitter. Behauptete am Dienstag zumindest die Medienseite der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Artikel nicht kostenfrei im Internet).

Das Problem daran: Hätte der Autor des «FAZ»-Stücks mal eben den Hörer in den Hand genommen und ein Telefonat mit Schmidts Produktionsfirma Bonito TV geführt, hätte er schnell erfahren, dass diese mitnichten unter @BonitoTV auf Twitter fröhliche Mitteilungen im 140-Zeichen-Stil in die Weltöffentlichkeit pustet. Und mit einer schnellen Suche auf Youtube hätte «FAZ»-Autor Michael Hanfeld feststellen können, dass ein junger Harald-Schmidt-Fan, der im Internet durchaus bekannte Rob Vegas, sich schon vor einiger Zeit als Quelle hinter dem Fake-Profil @BonitoTV geoutet hat.

Selbst wenn Hanfeld dies wusste – wie er später bekannte –: Aus seinem 46 Zeilen langen Stück wird das in keiner Silbe deutlich. Zwar schreibt er an einer Stelle mal «Schmidt – oder derjenige, der sich als Schmidt ausgab», doch damit könnte er auch einen Mitarbeiter aus Schmidts Team gemeint haben. Dass es keine «richtige Pressekonferenz» war, schreibt Hanfeld vielmehr der Tatsache zu, dass Schmidt «kaum Neuigkeiten» verbreitete, sondern nur etwas plauderte.

Auf dem Weg zum Pflaumenkuchen
Ansonsten referiert der Autor aber in aller Ernsthaftigkeit, was Harald Schmidt angeblich so vom Stapel gelassen hat: «Seinen Bart werde er sich nicht abnehmen, auch wenn es 'die Bosse' störe, sagte Schmidt», schreibt Hanfeld doch tatsächlich. Oder er gibt, absolut distanz- und humorfrei, wider, dass Schmidt nach 15 Minuten die PK unterbricht, weil er dringend in die Kantine müsse: «Denn da gab es Pflaumenkuchen und den wollte der ARD-Moderator nicht verpassen».

Über den Artikel machten sich am Dienstag die beiden Online-Mediendienste dwdl.de und Meedia her:

Meedia sprach von einer «peinlichen Verwechslung», dwdl.de vermisst eine einfache Recherche, die den Autor schnell auf die richtige Fährte geführt hätte, und weist darauf hin, dass die Schuld nicht bei dem grundsätzlich als Quelle ungeeigneten Microblogging-Dienst liege, sondern bei dem, der nicht sorgfältig recherchiert. Wobei Hanfeld nicht der erste ist, der auf Rob Vegas' falschen Twitter-Account hereingefallen ist. Sogar die ARD selbst hatte mal auf Schmidts Twittereien hingewiesen.

Nachdem sich Vegas aber öffentlich dazu bekannt hat, sollte ein solcher Faux-Pas wie der von Hanfeld nicht mehr passieren. Der «FAZ»-Journalist gab sich im Gespräch mit Meedia denn auch reumütig. «Ich hatte mit dem Kollegen, der sich als Schmidt ausgibt, auch schon zu tun, gestern aber habe ich mich von dem Geplänkel mitreißen lassen», räumte er ein und versprach laut Meedia, «heute bei uns im Blatt einen Kratzfuß» zu machen.

Falsche Twitter-Profile, vor allem von angeblichen Promis, gibt es einige, etwa einen angeblichen Stefan Raab oder gleich mehrere Angela-Merkel-Accounts. Selbst die Netzeitung war betroffen: Jemand twitterte unter unserem Namen – bis wir uns wehrten. Jetzt stammen unsere Tweets auch wirklich von uns. (nz)