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«New York Times«-Scoop vereitelt

30. Apr 2001 14:28
Das Magazin der US-Zeitung wollte mit einer exklusiven Titelstory über den möglichen Präsidentschaftsanwärter Bob Kerrey glänzen. Doch der machte dem Blatt einen Strich durch die Rechnung.

BERLIN/NEW YORK. Ein Jahr lang wühlte ein Reporter des Wochenendmagazins der «New York Times» in der Vergangenheit des Vietnam-Veteranen und demokratischen Senators Bob Kerrey - und machte schließlich eine Entdeckung: Der «Kriegsheld Kerrey» war mitverantworlich für ein Massaker an unschuldigen Frauen und Kindern in Vietnam.

Damit konfrontiert, kooperierte Kerrey mit dem Reporter: «Ich halte es nicht mehr aus, als Held gefeiert zu werden und gleichzeitig dieses Wissen in mir zu tragen», zitiert ihn das «New York Times Magazine».

Kurzfristig aber besann sich Kerrey, befand wenige Tage vor dem geplanten Erscheinen seiner Story im Magazine am vergangenen Sonntag, dass die Geschichte im Magazin der «NYTimes» für ihn so oder so wenig schmeichelhaft sein würde, und änderte die Strategie.

Rasch im Internet publiziert

Anfang letzter Woche arrangierte Kerrey flugs ein paar Interviewtermine mit anderen Zeitungen. Und noch bevor das Stück in der «New York Times» erscheinen konnte, am letzten Mittwoch nämlich, brachten plötzlich das «Wall Street Journal» und der «Omaha World Herald» Kerreys Beichte auf ihren Titelseiten. Da heißt es, dass der mögliche Präsidentschaftskandidat für das Jahr 2004 zugibt, als Offizier bei einem Einsatz in Vietnam einen Fehler begangen zu haben, der 13 Frauen und Kindern den Tod brachte.

Da konnte allerdings auch die «NYTimes» nicht anders und setzte ihren Magazinartikel ebenfalls bereits am Mittwoch auf die hauseigene Website.

Widersprüchliche Aussagen

Letztlich aber unterscheidet sich die Darstellung der «New York Times» deutlich von Kerreys Darstellung bei der Konkurrenz: So zitiert das Magazin etwa die Aussage eines ehemaligen Soldaten aus Kerreys Kommando, der zugibt, seine Einheit habe die Zivilisten wissentlich und auf Befehl Kerreys getötet, weil er so den Rückzug aus einem Dorf für sicherer hielt.

Kerrey indes behauptet, er ließ seine Männer nur das Feuer erwidern, nachdem sie in einen Hinterhalt geraten waren. Sein Fehler sei gewesen, die Einheit in diesen Hinterhalt gebracht zu haben.


Mehr im Internet: Trügerische Vergangenheit



 
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