03.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Strafrechtlich ist «Erwachsen auf Probe» okay
Weil RTL für seine umstrittene Sendung Babys verleihen ließ, werfen Kritiker den TV-Machern Körperverletzung vor. Ein Oberstaatsanwalt sieht das gelassener.
Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die umstrittene RTL-Sendung «Erwachsen auf Probe» eingestellt. «Es mag da eine Menge von Bedenken geben, ethischer oder pädagogischer Art, das mag auf Kritik stoßen, aber Strafgesetze sind nicht berührt», sagte Oberstaatsanwalt Rainer Wolf am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der «Kölnischen Rundschau». «Und das zu prüfen, ist die einzige Aufgabe, die die Staatsanwaltschaft hier hat.»
In der Serie übernehmen Teenager vier Tage lang die Versorgung von Babys und Kindern. Die Staatsanwaltschaft hatte untersucht, ob sich der Sender damit der Körperverletzung schuldig gemacht haben könnte oder die Eltern der Babys ihre Fürsorgepflicht verletzt haben. Beides sei aber nicht nachweisbar, sagte Wolf.
Bei der Anklagebehörde waren seit Mitte Mai rund 60 Anzeigen von Fernsehzuschauern und Verbänden eingegangen. Die Fernsehsendung hatte bereits vor Beginn der Ausstrahlung Anfang Juni für Aufregung gesorgt. Zahlreiche Organisationen, darunter der Kinderschutzbund, liefen Sturm gegen die Serie. Klagen gegen die Ausstrahlung scheiterten erst Stunden vor Sendebeginn.
Auch Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte einen Stopp oder eine gründliche Überarbeitung gefordert. Einer der Hauptkritikpunkte lautet, dass Babys und Kleinkinder zu kommerziellen Zwecken Stress ausgesetzt würden. Eine Verbotsklage wurde von zwei Gerichten jedoch abgelehnt.
«Es ist nicht unsere Aufgabe, der Sendung ein Qualitätszeugnis auszustellen», sagte Oberstaatsanwalt Wolf. Strafrechtlich sei an dem Format jedenfalls nichts zu beanstanden. Grundsätzlich könne jeder Zuschauer mit seiner Fernbedienung selber entscheiden, ob er diese Sendung gut oder schlecht finde. RTL-Sprecher Christian Körner sagte, das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen sei für den Sender nicht überraschend.
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten hatte die erste Doppelfolge von «Erwachsen auf Probe» als «weder pädagogisch wertvoll noch pädagogisch begründet» kritisiert. Säuglinge würden für dramaturgische Effekte eingesetzt und die jugendlichen Teilnehmer mit Berufung auf ein oberflächliches und vermeintlich pädagogisches Ziel einem Realitätsschock ausgesetzt, erklärte die Kommission. Eine Menschenwürdeverletzung oder eine Beeinträchtigung von Zuschauern liege aber nicht vor. Am 15. Juli will die Kommission über weitere Folgen entscheiden.
Die Doku-Soap, die insgesamt auf acht Teile ausgelegt ist, lag beim Publikum der 14- bis 49-Jährigen nach des ersten fünf Folgen laut RTL durchschnittlich bei einem Marktanteil von 17,7 Prozent. Bei den 14- bis 29-jährigen Frauen erreichte der Marktanteil im Schnitt 32,3 Prozent. (dpa/AP)