02.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Springer-Verlag will mit «68ern» an einen Tisch
Im Jahr 1968 versandete ein groß angekündigtes «Springer-Tribunal» rasch. Nun soll es noch einmal einberufen werden. Seltsam nur, dass ausgerechnet der Springer-Verlag dazu einlädt.
Der Verlag Axel Springer («Bild», «Die Welt») will sich mit seinen einstigen Gegnern aus der Studentenbewegung der sechziger Jahre an einen Tisch setzen. Die Protagonisten von damals sollen im Oktober bei einem «Springer Tribunal» in der Berliner Verlagszentrale über die Rolle der Springer-Blätter und über die Rebellion sprechen.
«Wir möchten wissen, wie es damals wirklich war», erklärte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner am Donnerstag. 1968 hatten sich Studenten in Berlin zu einen ersten «Springer Tribunal» gegen den Verlag getroffen. Sie warfen damals den Zeitungen vor, mit «hetzerischen» Berichten zur Gewalteskalation beigetragen zu haben.
«Uns ist bewusst, dass unser Haus und unsere Blätter seinerzeit journalistische Fehler gemacht haben. Wir haben dies in der Vergangenheit zugegeben und tun dies auch heute», betonte der Springer-Chef. «Wir werden nichts vertuschen. Wir wünschen uns das allerdings auch von jenen, die bis heute unbeirrt an den alten Gewissheiten und Mythen festhalten. Vielleicht gelingt es uns gemeinsam, die damalige Zeit besser zu verstehen.»
68er sollen sich entschuldigenDie Tagung solle die Rolle der Verlagsblätter und anderer Publikationen sowie der Akteure der Studentenbewegung prüfen. Döpfner hatte jüngst die «68er» aufgefordert, sich bei Springer für ihre Angriffe von damals zu entschuldigen. Man habe seinem Haus Unrecht getan.
Während der Studentenproteste war Springer immer wieder Ziel von Demonstrationen. Am Gründonnerstag 1968 brannten dort Lieferfahrzeuge, Glastüren und Fenster werden zerschlagen.
Auf Einladung des Republikanischen Clubs sollten im Februar 1968 «Zeugen» gegen die Springer-Zeitungen vor dem Hintergrund der tödlichen Schüsse auf den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 aussagen. Das «Springer-Tribunal» wurde allerdings nach einem Abend vertagt. «Die Axel Springer AG bedauert das und will Abhilfe schaffen. Der Verlag lädt diesmal zu einem «Springer-Tribunal» ein», erklärte das Unternehmen weiter.
Finanzielle Unterstützung?Axel Springer erhoffe sich für das «Tribunal» auch Unterstützung von jenen Verlagshäusern, die sich damals an der Kongressvorbereitung beteiligt hätten. «Besonders freuen würden wir uns, wenn diejenigen Wettbewerber, die seinerzeit finanziell so großzügig waren, auch diesmal wieder einen kleinen Obolus zur Unkostendeckung entrichten würden», erklärte Döpfner.
Er spielte damit auf die Unterstützung der Verleger Rudolf Augstein («Der Spiegel») und Gerd Bucerius («Die Zeit») für den Kongress an. (dpa)