Neue Chefredakteurin wird Ines Pohl: 

netzeitung.deMikas Weggang von der «taz» war lang geplant

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Neue Chefredakteurin wird Ines Pohl 

Lupe Mikas Weggang von der «taz» war lang geplant

Sie ist eine von Deutschlands wenigen Chefredakteurinnen. Oder war es zumindest. Denn was Bascha Mika künftig tun wird, ist offen. Die «tageszeitung» jedenfall leitet bald eine andere.

«Schon seit Längerem» habe sie daran gedacht, die «taz» zu verlassen, sagt die Chefredakteurin des Blattes, Bascha Mika. Was auch immer das für ihr Verhältnis zur Berliner «tageszeitung» aussagen mag: Jetzt setzt sie ihre Überlegungen in die Tat um. Nach elf Jahren geht sie.

Ihre Begründung, die sie online auf taz.de veröffentlicht hat, bietet ein pragmatisches «Zehn Jahre hatte ich mir ursprünglich für die Chefredaktion gegeben». Nun sei es halt eines mehr geworden, «wegen der Blattreform und unserer 30-Jahrfeier». Mit Mikas Weggang gehe eine Ära zu Ende, sagte «taz»-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch. Niemand habe das dritte Jahrzehnt der Zeitung mehr geprägt als sie.

Schon in zwei Wochen übergibt Mika an ihre Nachfolgerin. Den Job macht künftig die 42-jährige Ines Pohl, die bisher Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen («Münchner Merkur», «tz») in Berlin war. Vor ihrem Wechsel nach Berlin leitete sie das politische Ressort der «Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen». In den Jahren 2004/2005 war sie Stipendiatin an der Harvard-Universität in den USA.
«Profil schärfen»
Nun freut sie sich darauf «gemeinsam mit dem 'taz'-Team in diesen Zeiten, in denen die sozialen Kosten der Finanzkrise immer deutlicher werden, das Profil der 'taz' zu schärfen und ihre inhaltliche Relevanz auszubauen», wie es auf taz.de heißt. Was auch immer das über ihre Meinung zum bisherigen Kurs unter Mika aussagen mag.

«Eine sehr traurige Nachricht», kommentiert ein Leser die Mitteilung in eigener Sache. Er vermisse Mikas Artikel, Kommentare und regelmäßigen Auftritt im Presseclub schon jetzt. «Mal sehen, wohin die Reise der 'taz' unter der neuen Chefin geht.» Ein anderer tröstet: «Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne.»
Stichelei gegen Springer
Die «taz» war 1978 aus der links-alternativen Bewegung als selbstverwaltetes Projekt gegründet worden. Immer wieder erregte das Blatt mit Aktionen Aufsehen. Dazu gehörte unter Mikas Amtszeit die Übergabe der «taz»-Redaktion für einen Tag an Journalisten der «Bild»-Zeitung unter Leitung von Chefredakteur Kai Diekmann. Am folgenden Tag erschien erstmals ein Interview mit Altkanzler Helmut Kohl (CDU) im Blatt. Als Stichelei gegen den benachbarten Axel Springer Verlag wurde die von der «taz» unterstützte Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße empfunden.

Seit ihrem Antritt habe die «taz» die politische und publizistische Haltung bewahrt, sagte Mika. «Wir sind aber offener geworden und haben Anschluss an die Kommunikation der Gesellschaft bekommen». Mitte April hatte die Zeitung als Wochenendausgabe die «sonntaz» gestartet. Die Zeitung hat eine Auflage von etwa 56.000 Exemplaren, davon 46.000 im Abonnement. (dpa/nz)