Brandt-Enkel Lafontaine und Engholm im TV: 

netzeitung.de«Schade Oskar, schade»

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Oskar Lafontaine und Björn Engholm bei Beckmann (Foto: NDR/Morris Mac Matzen<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oskar Lafontaine und Björn Engholm bei Beckmann
Foto: NDR/Morris Mac Matzen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Es ging um gemeinsame Nächte mit Müntefering, um Napoleon und Willy Brandt. Doch eigentlich ging es beim Engholm-Lafontaine-«Beckmann» vor allem um den Unterschied zwischen Substanz und Hülle, findet Domenika Ahlrichs .

Zugegeben, ganz unwitzig war das nicht, was Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine da über ein Doppelzimmer sagte, das er für einen Mindestlohn-Kompromiss mit SPD-Chef Franz Müntefering zu teilen bereit wäre. Es blieb aber das einzig ansatzweise Humorvoll-Persönliche, was Lafontaine ins Gespräch mit Moderator Reinhold Beckmann einbrachte. Und der Genuss des Lacherfolgs währte auch nicht lange: Schnell hatte der zweite Gast des Abends, SPD-Mann Björn Engholm, die Lacher auf seiner Seite, als er sagte, er hoffe doch sehr, dass Müntefering «das mit dem Doppelzimmer» nicht zugemutet werden müsse.

Überhaupt hatte Engholm deutlich die Nase vorn, und das lag nicht nur daran, dass Beckmann ihn als mahnenden Ex-Genossen des SPD-Abtrünnigen mehr zu Wort kommen ließ. Wo Lafontaine fast roboterhaft Auszüge aus dem Linken-Parteiprogramm referierte, egal, was der Moderator fragte, ließ Engholm sich aufs Zuhören ein, antwortete mit Bedacht und Sachverstand. Angewandte SPD-Politik. Nichts unbedingt Aufregendes eigentlich, doch entrann sich so mancher SPD-Brust vor dem Bildschirm wohl der Seufzer: Ach, Engholm, warum nur haben Sie sich je von alledem verabschiedet.

Warum Lafontaine das einst getan hatte, blieb indes nicht lang verborgen. Nichts an ihm erinnerte mehr an den Brandt-Enkel, als der er einst galt. Was denn Willy Brandt wohl sagen würde, könnte er den Linkspartei-Chef jetzt so sehen, fragte Beckmann Engholm. «Schade Oskar, schade», so die Antwort.

«Der Oskar»
«Björn Engholm und Oskar Lafontaine, zwei ehemalige SPD-Chefs, Kanzlerkandidaten und Hoffnungsträger ihrer Partei», waren sie angekündigt worden. «Heute trennen die früheren Weggefährten Welten.» Das bedurfte fast nicht der Erwähnung, ein Blick auf die eng nebeneinander sitzenden Beckmann-Gäste reichte, um zu erkennen: Da haben zwei aber so richtig gar nichts mehr miteinander zu tun. Über «den Oskar» sprach Engholm viel, nur mit ihm nicht. Und Lafontaine? Der lächelte maskenhaft immergleich. Auch wenn der «Björn» (der Name fiel übrigens nie!) kräftig austeilte.

Lafontaine habe sich gar nicht so sehr verändert, schon immer habe er einen Hang zum Populismus gehabt, sagt Engholm etwa. Und dann verglich er den Neu-Linken mit Napoleon. «Fairerweise» müsse er dazu noch erwähnen, dass auch Gerhard Schröder ähnliche Tendenzen zeige, so der Lübecker Pensionär. Die Tragik der SPD liege vermutlich genau darin, dass diese beiden sich so ähnlichen Typen aufeinandergeprallt seien. Nur hätten sie sich zusammenreißen müssen, findet Engholm. Bei «Schmidt und Wehner» habe es auch gekracht, sie hätten die SPD dennoch gemeinsam weitergebracht.

Lafontaine sitzt daneben - und lächelt. (nz)