22.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die «Tagesthemen» und andere Angebote
Nach einem «Zapp»-Bericht diskutiert die Fernsehwelt über zum Teil hoch bezahlte Nebentätigkeiten von TV-Moderatoren. Insbesondere «Tagesthemen»-Moderator Tom Buhrow steht in der Kritik.
Der wegen gut bezahlter Nebentätigkeiten in die Kritik geratene «Tagesthemen»-Moderator Tom Buhrow muss mit Konsequenzen rechnen. Vorausgegangen war ein Bericht des NDR-Medienmagazins «Zapp» über hoch bezahlte Nebentätigkeiten von Fernsehmoderatoren.
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und die «Bild»-Zeitung berichteten am Wochenende, leitende Redakteure von «ARD Aktuell» hätten Buhrow in einem Brief aufgefordert, auf künftige Nebenerwerbstätigkeiten zu verzichten beziehungsweise besser zu prüfen, ob sie der Glaubwürdigkeit der «Tagesthemen» und des Senders schaden könnten. Laut «Bild» sollen «ARD-Aktuell»-Mitarbeiter außerdem an ihren Sender appelliert haben, Buhrow und anderen Moderatoren keine Nebentätigkeit mehr zu genehmigen. Der NDR äußerte sich nicht zu den Berichten.
Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, forderte eine Diskussion innerhalb der ARD. NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann betonte im Radiosender NDR Info am Freitagabend, die Nebentätigkeiten seien genehmigt oder mit den Vorgesetzten abgesprochen worden. Es gebe sehr viele Journalisten, «die Nebentätigkeiten haben, und das ist auch völlig in Ordnung».
Entscheidend sei, dass die Moderatoren unabhängig blieben: Er könne sich nicht vorstellen, dass Buhrow oder auch Caren Miosga irgendeine Frage nicht stellen würden, weil sie irgendwann einen Vortrag gehalten hätten. «Das würde jeder sofort merken, und wir würden es auch sofort diskutieren.» Mitarbeiter des NDR sollen Buhrow aufgefordert haben, künftig auf hoch bezahlte Nebeneinkünfte ganz zu verzichten.
Verhaltensregeln für Journalisten in Arbeit Der NDR erarbeitet zurzeit Verhaltensregeln für Journalisten, wie das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtete und wie der Sender bestätigte. Diese Arbeit habe bereits lange vor den derzeitigen Berichten begonnen, hieß es. Ferner berichtete «Focus» unter Berufung auf Mitglieder des NDR-Rundfunkrates, bei einer Sitzung am Freitag seien erste Konsequenzen aus dem «Fall Buhrow» gefordert worden.
So solle die Genehmigungspraxis für Nebentätigkeiten überprüft und Mitarbeiter verpflichtet werden, die Höhe ihres Honorars anzugeben. Das NDR-Medienmagazin «Zapp» hatte über Nebenverdienste prominenter Fernsehmoderatoren wie Buhrow oder ZDF-Mitarbeitern wie Claus Kleber, Peter Hahne und Anja Kohl berichtet. «Zapp» zufolge zahlte etwa die Sektkellerei Henkell für einen Auftritt Buhrows beim «49. Henkell & Söhnlein Forum» mehr als 10.000 Euro. Buhrow befragte dort den SPD-Politiker Kurt Beck.
Bis zu 30.000 EuroFür einen Auftritt beim «Kapitalmarkt Forum», das wegen der Finanzkrise abgesagt wurde, sollte die Deutsche Bank ursprünglich 20.000 Euro zahlen. Marietta Slomka, Moderatorin des ZDF-«Heute-Journals», die in diesem Jahr das «50. Henkell & Söhnlein Forum» präsentiert, spendet ihr Honorar in Höhe von 8.000 Euro sozialen Organisationen, wie sie der «Bild am Sonntag» sagte. «Es gab schon Angebote über 30.000 Euro, die ich umgehend abgesagt habe», wird sie zitiert.
Die «Bild»-Zeitung zitierte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: «Die Nebeneinkünfte von Journalisten, die Glaubwürdigkeit beanspruchen, sollten transparent sein. Ein Journalist, der Nebentätigkeiten ausführen will, soll öffentlich sagen, was er macht, von wem er bezahlt wird und wie hoch sein Honorar ist.» Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, erklärte dem Blatt zufolge: «Ich wundere mich, was die Firmen für Honorare bezahlen. Anscheinend verdienen manche Moderatoren mit einer Stunde Vortrag mehr Geld als bei der ARD im ganzen Monat.» (AP/dpa)