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FAZ kündigt einem ihrer Herausgeber

20. Feb 2001 19:45, ergänzt 23:04
Zuletzt hatte die «FAZ» vor über 30 Jahren einen ihrer Mit-Herausgeber entlassen. Nun trennte sich die Zeitung überraschend von Hugo Müller-Vogg.

FRANKFURT/MAIN. Der Vorsitzende des nunmehr nur vierköpfigen Herausgeber-Gremiums der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», Günter Nonnenmacher, hat die Kündigung bestätigt. Müller-Vogg selbst wollte am Dienstagabend keine Stellungnahme abgeben. «Ich will meine rechtliche Position nicht gefährden», sagte er.

Laut «Focus-online» haben die FAZ-Herausgeber Nonnenmacher, Jürgen Jeske, Berthold Kohler und Frank Schirrmacher keine gemeinsame Grundlage mehr für eine weitere Zusammenarbeit mit Müller-Vogg gesehen. Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.

Ist Joschka Fischer schuld?

Über die Gründe für das Zerwürfnis kann daher zur Zeit nur spekuliert werden. Immerhin aber gilt Müller-Vogg (seit 1977 bei der FAZ und seit 1988 Mitherausgeber und als solcher u.a. verantwortlich für den Lokalteil, die «Rhein-Main-Zeitung» und die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung», aber auch das inzwischen eingestellte «FAZ-Magazin») innerhalb des Herausgebergremiums als Stimme des traditionell-konservativen Journalismus und überzeugter Befürworter etwa der fotofreien FAZ-Titelseite.

Die «Welt» hatte erst jüngst von einem angeblichen politischen Richtungsstreit zwischen Müller-Vogg und dem fürs Feuilleton zuständigen Schirrmacher geschrieben, bei denen nicht zuletzt unterschiedliche Auffassungen über die Vergangenheit Joschka Fischers eine Rolle gespielt hätten. Nonnenmacher hatte die Darstellung der «Welt» allerdings als «absoluten Blödsinn» zurückgewiesen. «Spiegel-online» weiß darüber hinaus auch von Differenzen über den neuen Bayern-Teil der FAZ.

Oder liegt's am Internet?

Doch auch die zum Jahresanfang gestartete Online-Ausgabe der FAZ, FAZ.net, war sicherlich nicht nach Müller-Voggs Geschmack. Das Internet an sich war ihm als angeblich unzuverlässiges Informationsmedium immer suspekt.

Zudem hatte er besorgt um die mögliche Einflussnahme durch E-Commerce-Kooperationen auf redaktionelle Inhalte, in der Vergangenheit wiederholt scharfe Kritik an den Online-Angeboten von Print-Titeln geäußert. Buchbesprechungen etwa, so Müller-Vogg noch im Sommer vergangenen Jahres bei einer Tagung, die in der elektronischen Ausgabe mit Links verknüpft würden, über die man die Bücher gleich bestellen könne, könnten positiver besprochen werden als sonst. Immer wieder gern zitiert wird Müller-Vogg auch mit dem Satz: «Über Online reden viele wie Teenager über Sex: Jeder glaubt, dass die anderen es tun, alle sprechen davon, aber keiner tut es. Und die wenigen, die sich ihm hingeben, werden damit nicht so leicht fertig.»

Herausgeber-Kollege Frank Schirrmacher hatte sich indes schon seit geraumer Zeit für das Internet begeistert und für den Online-Auftritt der FAZ stark gemacht.

Der letzte Rauswurf ist 30 Jahre her

Der letzte Wechsel im Herausgebergremium der FAZ fand 1998 statt, als Berthold Kohler den damals 68-jährigen Johann Georg Reißmüller auf dessen Vorschlag hin ablöste.

Gekündigt wurde einem FAZ-Herausgeber zuvor nur 1970: Damals war Jürgen Tern wegen seiner wohlwollenden Haltung zu Willy Brandts Ost-Politik entlassen worden. (nz/dpa)

 
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