FAZ kündigt einem ihrer Herausgeber
20.02.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Laut «Focus-online» haben die FAZ-Herausgeber Nonnenmacher, Jürgen Jeske, Berthold Kohler und Frank Schirrmacher keine gemeinsame Grundlage mehr für eine weitere Zusammenarbeit mit Müller-Vogg gesehen. Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.
Die «Welt» hatte erst jüngst von einem angeblichen politischen Richtungsstreit zwischen Müller-Vogg und dem fürs Feuilleton zuständigen Schirrmacher geschrieben, bei denen nicht zuletzt unterschiedliche Auffassungen über die Vergangenheit Joschka Fischers eine Rolle gespielt hätten. Nonnenmacher hatte die Darstellung der «Welt» allerdings als «absoluten Blödsinn» zurückgewiesen. «Spiegel-online» weiß darüber hinaus auch von Differenzen über den neuen Bayern-Teil der FAZ.
Zudem hatte er besorgt um die mögliche Einflussnahme durch E-Commerce-Kooperationen auf redaktionelle Inhalte, in der Vergangenheit wiederholt scharfe Kritik an den Online-Angeboten von Print-Titeln geäußert. Buchbesprechungen etwa, so Müller-Vogg noch im Sommer vergangenen Jahres bei einer Tagung, die in der elektronischen Ausgabe mit Links verknüpft würden, über die man die Bücher gleich bestellen könne, könnten positiver besprochen werden als sonst. Immer wieder gern zitiert wird Müller-Vogg auch mit dem Satz: «Über Online reden viele wie Teenager über Sex: Jeder glaubt, dass die anderen es tun, alle sprechen davon, aber keiner tut es. Und die wenigen, die sich ihm hingeben, werden damit nicht so leicht fertig.»
Herausgeber-Kollege Frank Schirrmacher hatte sich indes schon seit geraumer Zeit für das Internet begeistert und für den Online-Auftritt der FAZ stark gemacht.
Gekündigt wurde einem FAZ-Herausgeber zuvor nur 1970: Damals war Jürgen Tern wegen seiner wohlwollenden Haltung zu Willy Brandts Ost-Politik entlassen worden. (nz/dpa)
