23.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein mutiges Projekt hat sich etabliert: Mit über 17.000 zahlenden Abonnenten kann die französische Online-Zeitung «Mediapart» derzeit prunken. Schwarz sehen müsse man viel mehr für Printprodukte, meint das Allensbach-Institut.
Inmitten der Medienkrise hat das französische Online-Magazin Mediapart, das sich ausschließlich über Abonnements finanziert, das erste Jahr einigermaßen gut überstanden. Die Website mediapart.fr habe derzeit 17.200 zahlende Abonnenten, berichtete die Zeitung «Libération». Chefredakteur Edwy Plenel, der zuvor für «Le Monde» gearbeitet hat, will 2011 schwarze Zahlen schreiben. «Die Gratis-Blase wird demnächst unter unseren Augen platzen», meint Plenel.
Das Online-Magazin hatte ein Startkapital von 3,7 Millionen Euro, ein Abonnement kostet neun Euro im Monat. Mediapart verzichtet auf Werbung und verspricht seinen Lesern «Unabhängigkeit, Qualitätsjournalismus und Diskussionsbeteiligung». Die oft aufwendig recherchierten Artikel werden zunehmend auch von traditionellen Medien zitiert.
Der Siegeszug des Internet und Veränderungen im Informationsverhalten der Bevölkerung bedrohen nach Einschätzung von Allensbach-Chefin Renate Köcher die Zukunft des Mediums Tageszeitung. Nach Erhebungen des Instituts für Demoskopie, die Köcher am Montag bei den «Mainzer Tagen der Fernsehkritik» präsentierte, haben sich 1980 noch 72,3 Prozent aller 14- bis 29-Jährigen täglich über die Tageszeitung informiert. 2008 seien es nur noch 41,1 Prozent gewesen.
Köcher verwies auf die Entwicklung in den USA, wo es wahrscheinlich schon bald ganze Großstädte ohne Tageszeitung geben werde: «Ich bin nicht sicher, dass das alte Gesetz noch gilt, dass neue Medien alte nicht verdrängen.» Das Fernsehen dagegen sei auf absehbare Zeit nicht bedroht, wie der in den vergangenen Jahren weiter gestiegene TV-Konsum nahelege. Das Internet führe zu einer «Zeitenwende im Umgang mit Informationen», betonte Köcher.
Auf dem Laufenden seinEntscheidend sei hierbei weniger die steigende Häufigkeit in der Nutzung des Internets als die generelle Veränderung der Mediennutzung: «Das Internet verändert die Nutzung aller anderen Medien.» Der typische Internet-Nutzer neige dazu, ein Medium nur noch zu nutzen, wenn er ein gezieltes Informationsbedürfnis habe. Das Internet werde dabei genutzt wie ein «Informationsvorratsschrank», der rund um die Uhr zur Verfügung stehe, sagte die Allensbach-Chefin.
Daraus resultiere ein sinkendes Bedürfnis, sich regelmäßig «auf dem Laufenden» zu halten, und entsprechend eine sporadischere Nutzung aller anderen Medien: «Bei den Jüngeren haben sich viele davon verabschiedet, sich täglich zu informieren», sagte Köcher. Zudem habe sich das Spektrum der Interessen bei den unter 30-Jährigen in den vergangenen Jahren verengt. Darunter litten vor allem gesellschaftliche Themen aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Umweltschutz. «Es wird den Trend geben, dass sich ein größerer Teil der Bevölkerung auf «Brot und Spiele» zurückzieht und wenig Interesse an Informationen hat», so die Medienforscherin. (dpa/AP)