21.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Attac bringt 150.000 gefälschte "Zeit"-Ausgaben in Umlauf
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit dem Erscheinungsdatum 1. Mai 2010 hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac Zehntausende Zeitungen mit den «Nachrichten der Zukunft» verteilt - zum Ärger des «Zeit»-Verlages.
Das Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac haben am Samstag in mehr als 90 Städten mit der Verteilung von 150.000 gefälschten Ausgaben der Wochenzeitung «Die Zeit» begonnen. Statt Meldungen von gestern enthalte das täuschend echte Plagiat die «Nachrichten der Zukunft», teilte Attac mit.
Die Schlagzeile auf dem Titelblatt lautet «Am Ende des Tunnels». Als Erscheinungsdatum ist der 1. Mai 2010 angeben. Die aktuellen Berichte über die «globale Wirtschafts-, Finanz- Hunger- und Klimakrise» ließen viele Menschen hilflos zurück, erklärte Attac-Aktivistin Jutta Sundermann. «Wir haben deshalb die Zeit weitergedreht und die Nachrichten verfasst, die wir morgen lesen wollen - nicht über ein fernes Paradies, sondern über konkrete Verbesserungen, die denkbar und erstreitbar sind.»
Ziel sei es, die Vorstellungskraft der Leser zu erweitern und ihnen Mut machen, sich politisch zu engagieren, sagte Sundermann. Unter die-zeit.net ist zudem eine Attac-Website online, die der Originalseite zeit.de bis ins Detail nachempfunden ist. Die Idee eines Zeitungs-Plagiats zur Wirtschaftskrise stammt von der amerikanischen Gruppe Yes-Men, die 2008 eine gefälschte «New York Times» veröffentlicht hatten.
Der «Zeit»-Verlag protestierte gegen die Aktion. «Eine Fälschung der 'Zeit', Print wie Online, können wir natürlich niemals billigen - insbesondere nicht in dieser guten Qualität», sagte eine Sprecherin auf AP-Anfrage. Man sei von der Aktion überrascht worden. Rechtliche Schritte gegen Attac schloss die «Zeit» aber aus.
Rückblick auf Demonstrationen am kommenden WochenendeZu den Autoren der sogenannten Zukunftsausgabe zählt etwa der Journalist und Buchautor Harald Schumann, der unter der Überschrift «Zeit der Abrechnung» von einem imaginären G20-Treffen in Brasilia berichtet, bei dem sich die Industrie- und Schwellenländer auf eine weitreichende Besteuerung großer Privatvermögen und internationaler Konzerne geeinigt haben.
Der Wirtschaftsjournalist Lucas Zeise beschreibt in «Ende einer Ära» die Veränderung der deutschen Bankenlandschaft nach einem Untergang zahlreicher Privatinstitute, der Kabarettist Matthias Deutschmann ein von der Bevölkerung herbeigeführtes Ende des «Kasinokapitalismus».
Weitere Artikel berichten über das imaginäre Ende der NATO, von Schuldenerlassen für arme Länder und einer dezentralen Konferenz der Weltgesellschaft gegen Hunger. Die letzte Seite blickt zurück auf die für den 28. März in Berlin und Frankfurt am Main geplanten Demonstrationen unter dem Motto «Wir zahlen nicht für eure Krise». (AP)