Studie zur Rolle unter den Nazis: 

netzeitung.deDuMont Schauberg hielt NS-Druck nicht stand

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Die Zeitungen, die heute zum Verlag gehören (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Zeitungen, die heute zum Verlag gehören
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Mit Tod, Verhaftung und Pleite vor Augen habe Verleger Kurt Neven DuMont in der NS-Zeit den «liberalen Geist Schritt für Schritt dem System untergeordnet», heißt es in einer Studie - nach zunächst deutlicher Kritik an den Nazis.

Der eigenen Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus' hat sich der Medienkonzern M. DuMont Schauberg gestellt. Vor drei Jahren beauftragt, stellte der Frankfurter Firmenhistoriker Manfred Pohl nun seine Studie vor, die die Geschichte eines der größten deutschen Verlagshäuser während der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet. Nur im Rahmen dieser langen Zeitspanne würden die Mechanismen der «Machtergreifung» der Nationalsozialisten und die Auswirkungen auf die Presselandschaft verständlich, sagte Pohl am Montag in Berlin.

Verleger Alfred Neven DuMont hatte sich bereits am Sonntag in einem Interview auf sueddeutsche.de zufrieden mit der Erforschung und Bewertung der Vergangenheit gezeigt. Die Wissenschaftler hätten sich «große Mühe gegeben», sagte er. «Zeitzeugen gab es genug, aber die Hauptschwierigkeit war, Unterlagen zu finden, beispielsweise Originalformulierungen meines Vaters.» Ein Zufall habe geholfen: Im Haus der Familie in Spanien sei Alfred Neven DuMont auf das väterliche Tagebuch gestoßen. «Das war die große Erlösung», sagte er dem Blatt.

Pohl untersucht in seinem Buch die Entwicklung der ursprünglich liberalen «Kölnischen Zeitung». Es habe Bemühungen um eine gewisse «innere Freiheit» gegeben, die sich die Verlegerfamilie und die Redakteure bewahren wollten, sagte der Unternehmenshistoriker. Verhaftung und Tod habe man jedoch nicht riskieren wollen. Zudem habe über der Zeitung immer das «Damoklesschwert der Pleite» gehangen. Der Verlag sei mit seinem einstigen Flaggschiff durch die Gleichschaltung der Medien ein publizistischer Unterstützer des Hitler-Regimes gewesen. Verleger Kurt Neven DuMont habe durch Verhandlungen mit den Nationalsozialisten auch die Zeitung retten wollen.
«Untertanenkultur»
«Die «Kölnische Zeitung» trug nicht unwesentlich dazu bei, dass ihre Bürgerkultur in eine Untertanenkultur überging, ohne dass sie diese Entwicklung wollte», heißt es in der Studie «M.DuMontSchauberg - Der Kampf um die Unabhängigkeit des Zeitungsverlags in der NS- Diktatur» (Campus Verlag). Neven DuMont habe sich mit seinem «liberalen Geist Schritt für Schritt dem System untergeordnet», sagte Pohl. Dies sei auch beispielhaft für den Verfall des deutschen Bürgertums in der NS-Zeit.

Die «Kölnische Zeitung» sei zwar zunächst kritisch mit den Nazis umgegangen, die Konsequenz der «Vossischen Zeitung» oder der «Frankfurter Zeitung» habe das Blatt nicht gehabt, betonte Pohl. Neven DuMont habe zunächst versucht, die «verirrten Schäflein» unter seinen Lesern wieder von der NSDAP abzubringen, wie der Historiker Harold James (Princeton) betonte. Nach 1933 sei es ihm aber dann um das Überleben seines Hauses gegangen. Vor allem drohte eine Übernahme durch das NS-Blatt «Westdeutscher Beobachter». Die Verlegerfamilie und eine Gruppe von Redakteuren hätten dennoch versucht, eine «innere Freiheit» im Hause zu sichern.

Rolle bei Grundstückkauf nicht geklärt
Offen bleibt in der Studie die Rolle des Verlags bei drei Grundstückskäufen von jüdischen Besitzern in Köln. Anhand der Dokumente lasse sich heute nicht mehr klären, ob die Familie Neven DuMont von sogenannten «Arisierungen» profitiert habe. Dieses Kapitel spiele für die Verlagsgeschichte aber eine untergeordnete Rolle, sagte Pohl.

Anlass für die Studie war der Vorwurf, die Kölner Verlegerfamilie habe während der NS-Zeit jüdischen Grundbesitz gekauft und damit von der Diktatur profitiert. Verleger Alfred Neven DuMont beauftragte daraufhin Pohl, die Geschichte des Zeitungshauses zu erforschen. Der mehr als 300 Jahre alte Verlag M. DuMont Schauberg gibt unter anderem den «Kölner Stadt-Anzeiger», die «Frankfurter Rundschau» und die «Mitteldeutsche Zeitung» heraus und ist an der israelischen Tageszeitung «Ha'aretz» beteiligt. Im Januar kündigte der Konzern an, auch die deutschen Beteiligungen der britischen Mecom Gruppe (unter anderem «Berliner Zeitung», «Berliner Kurier» und die Netzeitung) kaufen zu wollen. Dieser Kauf soll voraussichtlich Ende März vollzogen werden. (dpa/epd/nz)

Literatur: Manfred Pohl, M. DuMont Schauberg, Der Kampf um die Unabhängigkeit des Zeitungsverlags unter der NS-Diktatur, Campus Verlag, Erscheinungsdatum 30. März.