Selbstmord eines Todkranken: 

netzeitung.deEmpörung über «würdeloses» Sterben im TV

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Er wollte sterben um seiner Familie Leid zu ersparen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Er wollte sterben um seiner Familie Leid zu ersparen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit heftiger Kritik haben Ärztevertreter und Hilfsorganisationen auf die TV-Dokumentation eines selbst gewählten Todes reagiert. Labile Menschen gerieten dadurch in Gefahr, heißt es. Zudem verliere der Sterbende seine Würde.

Nach der Ausstrahlung einer Dokumentation über die begleitete Selbsttötung eines Menschen in Großbritannien reißt die Kritik an der Sendung nicht ab. Ärzte und Hilfsorganisationen in Deutschland und Großbritannien riefen die Medien am Donnerstag zu einem Verzicht auf solche Beiträge auf. Erneut wurde vor Nachahmungseffekten gewarnt. Wenn dargestellt werde, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg für Todkranke sei, werde das unverantwortliche Konsequenzen für labile Menschen haben, warnte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe.

Am Mittwochabend hatte der britische Sender Sky Real Lives in der Dokumentation «Recht zu Sterben» die letzten Stunden und das Sterben des todkranken früheren Universitätsprofessors Craig Ewert gezeigt. Ewert litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit, die zu einer Lähmung des Körpers und dann zum Tod geführt hätte.

Gefilmt von einem Oscar-Preisträger
Als sich der Verlauf der Krankheit beschleunigte, entschied sich der 59-Jährige zu einem begleiteten Selbstmord in einer Klinik der umstrittenen Sterbehilfe-Organisation Dignitas. Gefilmt wurden seine letzten Stunden von Oscar-Preisträger John Zaritsky.

«Wenn das Sterben öffentlich inszeniert wird, verliert der Sterbende seine Würde. Auch eine TV-Dokumentation muss da ihre Grenzen finden, wo die Individualität des Sterbens beginnt», sagte Ärztekammer-Präsident Hoppe weiter. Angehörige und Ärzte könnten dafür sorgen, dass Menschen in Würde sterben können. Zuwendung und Linderung von Schmerzen könnten Hospize und die Palliativmedizin leisten.

Millionen Briten sahen Ausschnitte
Millionen von Briten konnten am Mittwoch Ausschnitte aus einem Interview Ewerts kurz vor seinem Tod im frei empfangbaren Fernsehen sowie Fotos von seinem Selbstmord in den Tageszeitungen sehen. Die eigentliche Sendung in dem Doku-Kanal, der über Kabel und Satellit nur kostenpflichtig zu empfangen ist, verfolgten nach Angaben des Senders 231 000 Menschen.

Die Hilfsorganisation Malteser rief die deutschen Medien auf, derartige Berichterstattung niemals in Erwägung zu ziehen. «Es ist zutiefst entwürdigend und pietätlos, den Akt des Sterbens sekundengenau aufzuzeichnen und auszustrahlen,» sagte Malteser-Präsident Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck. «Wir protestieren auf das Schärfste gegen einen solch menschenverachtenden Umgang mit einem der intimsten Momente des Menschen.»

Eine Grenze überschritten
Peter Saunders von der britischen Organisation «Fürsorge statt Töten» sprach von einer neuen Grenze, die überschritten worden sei. Die begleitete Selbsttötung werde glorifiziert, während es von der Pro-Selbstmord-Lobby Bestrebungen gebe, das Thema ins britische Parlament zu bringen.

CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach warnte vor den Folgen der Ausstrahlung: «Hier ging es doch nicht um Mitleid mit dem Patienten. Hier ging es um Einschaltquoten», sagte er dem Sender n-tv. Zudem würden die Möglichkeiten der Hospiz-Arbeit und der Palliativmedizin ganz bewusst ausgeblendet. (dpa)