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ProSiebenSat1 baut um : 

Sat1 zieht nach München

13. Nov 2008 17:48
Bald an einem Standort vereint: Die Sender ProSieben und Sat1
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Knapp die Hälfte der Berliner Mitarbeiter des Senders sollen Berlin verlassen. In Bayern kommt Freude auf, denn nun sitzen beide deutschen Hauptsender des TV-Konzerns in der Isar-Metropole.

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat1 verlagert seinen Sender Sat1 von Berlin nach München. Wie das Unternehmen in München mitteilte, werden neben Sat1 auch alle Verwaltungsfunktionen sowie die Vertriebsgesellschaften SevenOne Media und SevenOne Interactive nach Bayern verlagert. Nur der Nachrichtensender N24 und die Zentralredaktion von Sat1 bleiben in der Hauptstadt.

Vom Sat1-Umzug sind den Angaben zufolge 350 Mitarbeiter betroffen, 225 Stellen sollen dabei ganz wegfallen. Über die Bühne gehen soll der Umbau bis Juni 2009. Jeder Berliner Mitarbeiter erhalte ein Jobangebot in München oder eine angemessene Abfindung, kündigte das Unternehmen weiter an. Der Betriebsrat von Sat1 und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierten die Entscheidung.

Auch Konsequenzen im Management

Der Umbau hat auch personelle Konsequenzen im Management. Der für das deutsche Fernsehgeschäft zuständige Konzernvorstand Andreas Bartl bekommt den bisherigen Sat1-Geschäftsführer Matthias Alberti zur Seite gestellt.

Neuer Sat1-Chef wird Guido Bolten, der bisher für Kabel eins verantwortlich zeichnet. Die Leitung des verkleinerten Sitzes mit 450 Mitarbeitern in der Hauptstadt übernimmt N24-Chef Torsten Rossmann. Offen ist noch die Frage, wer Guillaume de Posch als Vorstandsvorsitzender des Konzerns zum Jahresende nachfolgt.

450 Mitarbeiter bleiben in Berlin

Mit der Verlagerung großer Bereiche sitzen künftig die wichtigsten deutschen Sender des Konzerns in München. Neben Sat1 sind dies ProSieben und Kabel eins, die schon bisher an der Isar ihren Hauptsitz haben.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern wegen der weiteren Eintrübung des Werbemarktes und anhaltender Probleme bei einem neuen Modell der Werbezeiten-Vermarktung sein Gewinnziel für 2008 zusammengestrichen.

Strikte Kosteneinsparungen

Der Ende des Jahres ausscheidende Vorstandschef de Posch hatte die Belegschaft auf weitere Einschnitte eingestellt und gewarnt: «2009 wird ein sehr schwieriges Jahr. Wie viele andere Marktteilnehmer müssen auch wir unser Haus winterfest machen.» Dies funktioniere aber nur über strikte Kosteneinsparungen. Die Höhe dieser neuen Sparziele hatte er noch nicht beziffern wollen. Bis Jahresende sollten ohnehin 70 Millionen Euro eingespart werden.

Die Mitarbeiter seien am Morgen in zwei Versammlungen über den geplanten Umzug informiert worden, sagte der Sprecher von ProSiebenSat1. Die Reaktionen seien unterschiedlich gewesen. Der Betriebsrat von Sat1 protestierte heftig gegen die Entscheidung. Damit werde «Raubbau an der Marke Sat1» getrieben, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Theuerkauff. Der Sender werde in der Münchner Konzernzentrale sein eigenständiges Profil einbüßen.

Betriebsrat: «Stimmung auf Krawall gebürstet»

Theuerkauff sagte in Berlin weiter: «Die Stimmung in der Belegschaft ist auf Krawall gebürstet.» Es gebe große Zweifel, dass mit dem Umzug die wirtschaftlichen Probleme des Senders gelöst werden könnten. «Die Krise ist wegen schwerer Fehler des Managements hausgemacht», sagte Theuerkauff.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte den Konzern auf, die Pläne zur Umstrukturierung der Sendergruppe nicht weiter zu verfolgen. «Der offenbar geplante Umzug wichtiger Teile von Sat1 von Berlin nach München und der Abbau von über 200 Stellen degradieren Sat1 vom Vollprogramm zur belanglosen Abspielstation», kritisierte der Verband in einer Mitteilung. Diese Maßnahmen ließen sich nur mit überzogenen Renditeerwartungen der Eigentümer KKR und Permira erklären.

Freude in Bayern

In Bayern rief die Entscheidung Freude hervor. CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer begrüßte den Umzug. ProSiebenSat1 hebe so Synergieeffekte und stärke seine Handlungsfähigkeit. Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, äußerte zumindest Verständnis für den Umzug angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation. «Auch wenn der jetzt angekündigte Umzug für viele Mitarbeiter von Sat1 problematisch ist, muss man dem Unternehmen zu Gute halten, das alle aktuellen Arbeitsverträge auch für den neuen Standort Gültigkeit haben.» (dpa)

 
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