Ex-Sportchef Emig sieht Mitschuld des Senders:
«Im Grunde war es Schleichwerbung«
07.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Jürgen Emig: Der Ex-Sportchef im Gerichtssaal
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Sportreporter hat angekündigt, im weiteren Prozessverlauf neue Zeugen aufzubieten, die bisher aus Angst nichts sagten. Neu bewertet müsse auch eines werden: die Mitverantwortung des Hessischen Rundfunks.
Der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunk Jürgen Emig will in dem Strafprozess gegen ihn neue Zeugen befragen lassen. «Wir haben auf jeden Fall neue Aussagen, die wir vorher nicht hatten», sagte Emig dem Evangelischen Pressedienst.
Emig sagte, das Frankfurter Landgericht habe im letzten Drittel des Prozesses den medienpolitischen Gesamtkontext nicht mehr im Blick gehabt. «Da wurde ich behandelt wie ein korrupter Staatsdiener in der Führerscheinstelle», kritisierte der Reporter. Den «Verrat an der Rundfunkfreiheit», den ihm Gericht und Staatsanwaltschaft vorwerfen, habe er allenfalls gemeinsam mit seinem Arbeitgeber, dem Hessischen Rundfunk (hr), begangen, führt er zu seiner Entlastung an.
Neue Zeugen aus dem Hessischen RundfunkEmig sagte weiter, bei den neuen Zeugen handele es sich um Menschen aus dem hr, die sich erst nach dem Urteil des Landgerichts Frankfurt gemeldet hätten.
Die bisher nicht bekannten Zeugen aus dem Sender seien «empört und entsetzt» über das Urteil gewesen, so Emig. Deshalb hätten sie den Mut gefunden, sich nun doch zu einer Aussage durchzuringen. Einer habe klar gesagt, dass er sich aus Angst vor hausinternen Sanktionen nicht gemeldet hatte.
Zu Haftstrafe verurteiltEmig war Anfang Oktober wegen Untreue und Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Der 63-Jährige legte darauf Revision beim Bundesgerichtshof ein. Laut Urteil hat Emig sogenannte Produktionskostenzuschüsse von Sponsoren und Sportveranstaltern eingeworben, aber nur zum Teil an seinen Arbeitgeber weitergeleitet. Über die Tarnfirma SMP soll er zwischen 2001 und 2003 mehr als 300.000 Euro kassiert haben.
Emig räumte ein, seine Stellung bei dem öffentlich-rechtlichen Sender für private Geschäfte ausgenutzt zu haben und eine «moralische Schuld» zu tragen. Er bereue es, den Sender nicht über seine indirekte Beteilung an der Agentur SMP informiert zu haben. Die menschliche Enttäuschung seiner Vorgesetzten beim hr könne er verstehen. «Das tut mir auch sehr leid», sagte Emig, der sich erstmals seit Jahren in einem Interview ausführlich zu der Affäre äußert.
Emig: Kein finanzieller Schaden für den SenderEntgegen der Auffassung des Gerichts habe er jedoch keinen finanziellen Schaden für den Sender bewirkt. Er sei zudem ausdrücklich beauftragt gewesen, Kunden für die SMP zu akquirieren.
Die frühere Praxis des Hessischen Rundfunks, bestimmte Sportübertragungen von Produktionskostenzuschüssen des Veranstalters abhängig zu machen, sei «im Grunde Schleichwerbung» gewesen. Diese Frage müsse im Revisionsverfahren behandelt werden. (epd)