21.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mit erhobenen Zeigefinger mahnte er das Fernsehvolk
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises hatte Reich-Ranicki offenbar gut genug zugehört, um die Qualität des Fernsehens abzuwatschen. Am Telefon war er nicht ganz so aufmerksam und schwupps, wirbt er für die Telekom. Nun rudert er zurück.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (88) hat die Telekom-Werbung mit seinem Bild als Missverständnis bezeichnet. Im Rundfunkprogramm Bayern 3 sagte er am Dienstag nach Angaben des Senders: «Ich habe gar nicht gewusst, um was es geht, die haben es ein bisschen undeutlich gesagt. Das war eine einmalige Sache als Ergebnis eines Missverständnisses!» Weiter betonte er, dass er in seiner Rede am 11. Oktober nur die Fernsehpreis-Gala in Köln kritisiert habe, nicht aber das Fernsehprogramm im Allgemeinen.
Nach seinem Wutausbruch beim Deutschen Fernsehpreis und seiner harschen Kritik am dort präsentierten Programm war am Wochenende in mehreren Zeitungen eine Anzeige der Telekom-Tochter T-Home erschienen, die Reich-Ranicki mit erhobenem Zeigefinger am Rednerpult zeigt. Der Text: «Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt.» Am Montag veröffentlichte auch der Billigflieger Ryanair eine Anzeige mit einem ähnlichen Bildausschnitt, einem Hinweis auf seine günstigen Flugpreise und dem Text: «Diesen Preis nehme ich an.» Von dieser Anzeige, die er als «großer Quatsch» bezeichnete, wusste Reich-Ranicki nach eigenen Worten nichts.
Unterdessen bestätigte Frank Domagala, Pressesprecher von T-Home, einen Vertrag mit Reich-Ranicki. Der «Süddeutschen Zeitung» sagte er: «Ja, dafür hat er Geld bekommen. Die Idee zur Anzeige ist spontan entstanden. Wir haben die öffentliche Diskussion nach der Rede beim Deutschen Fernsehpreis aufgegriffen, einen Entwurf gemacht und Reich-Ranicki gefragt, ob er mitmacht glücklicherweise hat er relativ schnell zugesagt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich wegen der Verträge über die Höhe des Honorars nichts sagen kann.» (dpa)