ARD und ZDF ziehen den Stecker: 

netzeitung.deBildausfall für die Tour de France

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Zu viele Doping-Fälle, auch Jan Ullrich steht im Verdacht (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zu viele Doping-Fälle, auch Jan Ullrich steht im Verdacht
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Auf einer Klausurtagung hat die ARD beschlossen, nicht länger live vom größten Radsportereignis der Welt zu berichten. Das ZDF schließt sich der Entscheidung an. Der Grund sind die zahlreichen Dopingfälle der Vergangenheit.

Die ARD will die Tour de France vorerst nicht mehr live übertragen. «Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert», sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff am Donnerstag. Damit sei auch der programmliche Wert stark gesunken. Über diese Entscheidung müsse sich die ARD nun mit dem ZDF und der Europäischen Rundfunkunion (EBU) verständigen, teilte die ARD nach einer Klausurtagung der Intendanten des Senderverbunds in Köln mit.

Der Radsport-Klassiker steht wegen zahlreicher Dopingfälle in der Kritik und verzeichnet sinkende Einschaltquoten. Nach den Comeback-Planungen von Lance Armstrong und Alexander Winokurow sowie den positiven A-Proben der Gerolsteiner-Fahrer Stefan Schumacher und Bernhard Kohl hatte das Thema in den vergangenen Wochen weitere Brisanz gewonnen. Die ARD-Intendanten seien der Meinung, dass eine breitflächige Übertragung in den öffentlich-rechtlichen Programmen «auf absehbare Zeit» nicht mehr zu rechtfertigen sei, hieß es in der ARD-Mitteilung.
EBU-Vertrag möglicherweise bindend
Über die komplizierte Vertragssituation war zuletzt vielfach spekuliert worden. Die EBU, ein Zusammenschluss öffentlicher Sender in Europa, hat mit dem Veranstalter der Tour de France einen Vertrag über den Ankauf der Rechte für die Zeit von 2009 bis 2011 geschlossen. Unklar ist jedoch, ob dieser für die EBU-Mitglieder ARD und ZDF bindend ist. Das NDR-Medienmagazin «Zapp» berichtete am Mittwoch, die EBU habe «auch im Auftrag von ARD und ZDF» die Rechte erworben. Viele Intendanten hätten davon jedoch bis vor kurzem nichts gewusst.

Ein Mitarbeiter der ARD-Programmdirektion in München soll bereits im Januar 2008 der EBU per Mail eine Beteiligung an den Rechtekosten zugesagt haben. Dies soll ohne Auftrag der Intendanten geschehen sein. Ein ARD-Sprecher wollte zu dieser Vertragssituation keine näheren Angaben machen. Wie aus ARD-Kreisen zu erfahren war, ist die rechtliche Bewertung unter den Intendanten umstritten. Es werde jedoch eine schnelle einvernehmliche Position von ARD, ZDF und EBU angestrebt.

Auch das ZDF dürfte aussteigen
ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender geht von einem gültigen Vertrag aus. Er bekräftigte in «Zapp», das ZDF werde nur gemeinsam mit der ARD übertragen oder eben gar nicht. Es seien zusätzliche Kriterien in den Vertrag aufgenommen worden, sagte Brender. Demnach zahlten ARD und ZDF weniger Geld und hätten eine geringere Sendezeitverpflichtung. Außerdem müsse der Veranstalter schärfere Kontrollen gewährleisten. Bei zunehmenden Verstößen gebe es eine Ausstiegsklausel.

Im Jahr 2007 waren ARD und ZDF mitten im Wettbewerb aus der Live-Übertragung ausgestiegen, 2008 hatten die beiden Sender trotz mehrerer Doping-Fälle weiter übertragen. ARD und ZDF haben bisher gemeinsam etwa sieben Millionen Euro pro Jahr für die Rechte an der Tour de France bezahlt. (epd)