09. Okt 2008 15:13
In seiner Enthüllungs-Story über eine Lidl-Bäckerei berichtete Günther Wallraff von mangelhafter Hygiene und menschenunwürdigen Zuständen. Die Staatsanwaltschaft kommt zu anderen Ergebnissen.
Ein zweites Ermittlungsverfahren gegen die Backfabrik wegen fahrlässiger Körperverletzung dauere allerdings noch an. In einer Magazinbeilage der Wochenzeitung «Die Zeit» hatte der Kölner Schriftsteller («Ganz Unten») berichtet, dass in der Fabrik der Schimmel an den Wänden blühe. Bei der vierwöchigen Tätigkeit in der Firma, die Brötchen für den Discounter Lidl backt, hatte Wallraff nach eigenen Angaben unwürdige Arbeitsbedingungen erlebt. Unter falschem Namen zu Niedriglohn angestellt, habe er bis zur Erschöpfung gearbeitet und wie seine Kollegen mehrfach Brandverletzungen erlitten. Ob die Vorwürfe zutreffen, ließe sich derzeitig nicht sagen, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das Unternehmen hatte die Anschuldigungen als falsch zurückgewiesen.
Gegen Wallraff werde jedoch voraussichtlich keine Anklage erhoben, ergänzte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Inhaber der Fabrik hatte Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Das Einschleichen in Betriebe unter falscher Identität, um später Missstände anzuprangern, ist Wallraffs Markenzeichen. Berühmt wurde er als türkischer Arbeiter Ali oder «Bild»-Reporter Hans Esser. (dpa)