«Wetten, dass…?»:
Gottschalk plaudert mit Bruni übers Palastleben
05. Okt 2008 10:55, ergänzt 12:00
 |  Nicht Einstein, sondern Gottschalk - etwaige Ähnlichkeit: reiner Zufall | Foto: dpa |
|
Zum Schluss musste der Moderator dann auch noch in Senf baden. Er hatte bei der Saalwette nicht gedacht, dass so viele Nürnberger mit Bratwürsten stricken können. Deswegen fühlte er sich am Ende selbst wie ein Würstchen.
Am Ende der Show brachte Thomas Gottschalk das Fass buchstäblich zum Überlaufen. Behäbig floss die zähe, gelbe Masse über den Rand des riesigen Topfes, als der Showmaster mitsamt seinem schwarzen Outfit langsam in 800 Litern Senfbrühe versank. Die unappetitliche Einlage bildete am Samstagabend den derben Schlusspunkt der ersten «Wetten, dass..?»-Sendung des ZDF nach der Sommerpause.
Gottschalk war zu dem Bad verpflichtet, weil er seine Saal-Wette kläglich verloren hatte: Der Showmaster hatte daran gezweifelt, dass es den gastgebenden Nürnbergern gelingen würde, zehn Männer und Frauen zu finden, die mit Bratwürsten einen Pullover stricken können. Am Ende waren es mehr als doppelte so viele. Trotz des drohenden Senfbades wirkte Gottschalk nach der mehr als sechsmonatigen «Wetten, dass..?»-Sommerpause entspannt und gut aufgelegt – wohl wissend, dass der Auftritt in Nürnberg für den gebürtigen Franken zu einem Heimspiel werden würde. So mischte er sich gleich zu Beginn fränkelnd unter das Publikum.
 |  Gottschalk und Bruni - sie sprach erstaunlich offen | Foto: dpa |
|
Auch einen Ausflug in die bayerische Landespolitik verkniff sich Gottschalk nicht, als er betonte: «Um Beckstein tut es mir echt leid. Das hat er nicht verdient. Ich habe ja schließlich auch schon zehn Millionen verloren. Deshalb tritt man doch nicht gleich zurück.» Dabei spielte er auf die sinkenden Einschaltquoten an, die die ZDF-Show-Macher zuletzt unter Druck gebracht hatte. Gegen starke Konkurrenz brachte es Gottschalk am Samstag auf 11,08 Millionen Zuschauer; dies entspricht einem Marktanteil von 39,9 Prozent. Treue «Wetten,dass..?»-Zuschauer mussten sich erst an das neue Bühnenbild gewöhnen. Die von dem Münchner TV-Designer Florian Wieder entworfene Dekoration rückt die Gästecouch vor einen chromblitzenden Aufbau mit dem Charme einer Raumstation. Allenfalls die in Nussbaum gehaltene Rückwand samt Teppich verbreiteten ein bisschen Wohnzimmer-Atmosphäre. Neben der eher im Retro-Look gehaltenen Hauptbühne lässt es der TV-Designer auf den beiden Show-Bühnen rechts und links davon funkeln und glitzern. Neu war auch der Verzicht auf die Stadtwette.
Bruni: «Ich darf nicht mehr so frech sein»
Tief in die neue Bühnen-Trickkiste griffen die Show-Macher beim Auftritt der französischen Staatspräsidenten-Gattin und Sängerin Carla Bruni. In seriösem Nadelstreifen-Outfit präsentierte sie vor einer nächtlichen Paris-Kulisse das Lied «L'amoureuse» ihres neuen Plattenalbums. Im anschließenden Gespräch mit Gottschalk plauderte sie über das Leben an der Seite von Nicolas Sarkozy. Sie vermisse im Elysee-Palast nichts, bekannte sie. Es sei ihr auch fast nichts verboten. Vielmehr böten sich ihr viele neue Möglichkeiten. Sie dürfe nur nicht mehr so frech sein wie früher. Weiblicher Mittelpunkt des Abends war – neben dem mexikanischen Filmstar Salma Hayek – das niederländische Fotomodell Sylvie van der Vaart. Die Ehefrau des Fußballstars Rafael van der Vaart erschien in einem goldfarbenen, tief dekolletierten Kleid - und bildete damit einen Kontrast zum schwarzen Einheitslook der meisten anderen Gottschalk-Gäste. Nachdem sie ihre Wette verloren hatte, hatte sie in einem Überschlags-Simulator alle Mühe, ihr offenherziges Kleid vor dem Verrutschen zu bewahren.
Atze Schröders Homage an die Mutter
Der Modeschöpfer, Designer, Fotograf und Kostümbildner Karl Lagerfeld wirkte gelegentlich eher muffig. Und wenn Gottschalk mal wieder allzu salopp formulierte, wurde er von dem distinguierten Wahlfranzosen auch schon mal korrigiert. Neben ihnen hatten an dem Abend noch als Wettpaten der Autor, Regisseur und Produzent Michael Herbig, der Dramatiker Franz Xaver Kroetz und die Zisterzienser-Mönche Karl und Philipp auf der «Wetten,dass..?»-Couch Platz genommen. Die Klosterbrüder waren mit ihren gregorianischen Gesängen auf Platz 1 der Klassikcharts gelandet. Als spezielle Gäste hatte das ZDF den Formel-1- Nachwuchsfahrer Sebastian Vettel und das Fechtass Britta Heidmann geladen.
Musikalisch sorgten neben Carla Bruni der talentierte Teenager Gabriella Cilmi, die «Söhne Mannheims» mit Xavier Naidoo und den Altrockern «Foreigner» für ein breites Unterhaltungsspektrum. Der Comedy-Star Atze Schröder machte seinen Auftritt zu einer launigen Homage an die Mütter.
Publikums-Liebling baut Bierkasten-Turm
Wettkönig wurde der aus dem hessischen Eppstein stammende Jens Christoph Pieper. Der 27 Jahre alte angehende Diplom-Geograf hatte anhand kurzer Filmpräsentation souverän vier von fünf Autobahnabschnitten wiedererkannt. Er fahre eben viel in Deutschland herum. «Mein Auto ist mein Wohnzimmer», berichtete er. Bei einer Telefonabstimmung entschied sich die Hälfte der Zuschauer für ihn. Publikums-Liebling wurde der zwölf Jahre alte Benedikt Maurus. Er baute bei seiner Kinderwette mit verbundenen Augen einen Turm aus 24 leeren Bierkästen, während er gleichzeitig daran hochkletterte. Obwohl der fertige Turm kurz vor dem Ende einer Zehn-Sekunden-Frist einstürzte, erkannte Gottschalk angesichts der enormen Leistung des Jungen die Wette an. Milde zeigte der Showmaster auch bei der Außenwette, die dieses Mal von einem Probenunfall überschattet war. Der ursprünglich für den waghalsigen Sprung über ein acht Meter hohes Haus vorgesehene BMX- Radfahrer James Foster hatte sich eine schwere Beinverletzung zugezogen. Ein als Ersatz eingesprungenes Mitglied der BMX-Szene schaffte den Sprung auch nur knapp beim zweiten Versuch. Trotz Einwänden der Wettjury ließ Gottschalk den Sprung gelten.
Souverän meisterte dagegen die 19 Jahre alte Hamburgerin Maxime Mertens mit ihrem Hund «Ciabatta» ihre Wette. Wie versprochen löste «Ciabatta» die Knoten von fünf an Marterpfähle Gefesselten mit seinen Zähnen. Der österreichische Hobbyschütze Peter Gassenbauer konnte dagegen nur sechs der verlangten acht Bierflaschen mit Luftgewehrschüssen öffnen. (Klaus Tscharnke, dpa)