12. Sep 2008 10:32
Der Kurssturz von United Airlines wegen einer verbreiteten Meldung von 2002 sollte Verlagen zur Mahnung gereichen, meint
. Bots und News-Algorithmen ersetzen eben keine versierten Redakteure aus Fleisch und Blut.
Die Geschichte ist aber weitaus mehr als die eines Kurseinbruchs und eines alten Zeitungsberichts. Sie zeigt, wie verheerend die Auswirkungen sein können, wenn News-Portale angebliche Neuigkeiten verbreiten, ohne dass noch journalistisch kompetente Redakteure ihr Augenmerk darauf richten.Computer, die per Algorithmen News auf eine Google-Seite «generieren», sind eben keine Journalisten. Versierte Wirtschaftsredakteure hätten bei der UAL-Meldung stutzig werden und vor einer Weiterverbreitung die Geschichte auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen sollen. Das gebietet das journalistische Ethos. Hier agierten aber zunächst Roboter ohne journalistische Fachkenntnis.
Oder, wie es Ed Keating, der Vizepräsident des US-Software-Branchenverbandes SIIA, formuliert: «Es ist nur ein Algorithmus, und der Algorithmus besuchte keine Journalistik-Schule.» Keating ist nicht der einzige in den USA, der scharfe Kritik an Google übt: Solche «bots» könnten zwar Informationen sammeln, aber bis zur korrekten Trennung des Aktuellen und Relevanten vom Veralteten und Irrelevanten sei es noch ein weiter Weg, meint Crawford Del Prete von International Data Corp. – er spricht von einem «blauen Auge» für Google.
Der Internetkonzern verteidigt sich und schiebt den Schwarzen Peter zu den Zeitungen, die für eine akkurate Aufbereitung ihrer Nachrichten zu sorgen hätten. Sicher, auch in der Vergangenheit wurden schon mal Falschmeldungen kritiklos weiterverbreitet. Irren ist eben auch menschlich, und angesichts kleiner werdenden Redaktionen verbleibt nicht immer genügend Zeit, um Berichte aus zweiter Hand gegenzuchecken.
Dass das offenbar ausgerechnet bei der renommierten Agentur Bloomberg unterblieb, ist bedauerlich. Doch der UAL-Fall hat eine weitere schwerwiegende Komponente: Bots sitzen nicht nur bei Google News, sondern auch an der Wall Street, wo man den Aktienhandel zum großen Teil Maschinen überlässt - kein Wunder bei der Schnelligkeit, mit der am Aktienmarkt heutzutage zugeschlagen oder verkauft werden muss. Da bleibt keine Zeit für Gegenkontrollen.
Der enorme Kurseinbruch der UAL-Aktie ist Beleg dafür, wie einflussreich und wirkungsvoll das Tun von Wirtschaftsjournalismus ist. Gerade den Managern börsennotierter Medienunternehmen sollte – auch im eigenen Interesse – die «Causa UAL» als Mahnung dafür dienen, dass man verantwortungsvollen Journalismus nicht Robotern und automatisierten Nachrichten-Flows überlassen darf.